Burg Ottenstein

Ottenstein 1, 3532 Rastenfeld

 

In der zweiten Hälfte des 12.Jhs. auf einem zum Kamp vorspringenden Felssporn errichtete Höhenburg des Ministerialengeschlechtes der sich nach 1200 als Ritter von Tursen („Riesen“) bezeichnenden Herren von Rauheneck und Teil der Befestigungslinie am Flusslauf des Kamp.

Burg Ottenstein, Rastenfeld
Burg Ottenstein, Rastenfeld



 

Geschichte

 

Bis zum Anfang des 15.Jhs. diente die wohl durch einen Otto Turse von Rauhegg-Lichtenfels erbaute Burg (freies Eigen) als repräsentatives Zentrum der Waldviertler Besitzungen der Rauhenegger.

In der Mitte des 15.Jhs. war die Burg in Besitz des „Fehderitters“ Tobias von Rohr. Die folgenden Besitzer Paul Stodoligk und sein Sohn Eustach ließen Ottenstein im ersten Drittel des 16.Jhs. repräsentativ ausbauen. 1536 erwarb Melchior von Lamberg (Regent der niederösterreichischen Regierung) die Herrschaft.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ottenstein unter anderem durch kaiserliche Truppen Wallensteins geplündert, die Burg jedoch nicht erobert. Johann Albrecht Freiherr von Lamberg verbesserte danach die Wallanlagen und sein Sohn Hans Franz Freiherr von Lamberg baute die Burg zum Schloss um. Die Gebäude des Ost- und Nordtraktes wurden aufgestockt und in der Mitte des 17.Jhs. fand eine Vereinheitlichung aller Bauten unter einem gemeinsamen Dach statt. Der Bergfried wurde zum Treppenturm umgewandelt, die große äußere Umfassungsmauer angelegt, barocke Umbauten durchgeführt und die Türme mit Zwiebelhauben gedeckt. Unter Leopold Joseph Graf Lamberg erhielt Ottenstein teilweise seine heutige Gestalt.

Nachdem französische Truppen das Schloss besetzt hatten, renovierte Franz Emmerich Graf Lamberg die Burg in der zweiten Hälfte des 19.Jhs. und nahm Veränderungen im historistischen Stil vor. Nach dem Verkauf der Burg 1939 an das Deutsche Reich diente sie als Offiziersquartier und wurde durch russische Truppen besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ottenstein restauriert.

 

Burg Ottenstein, Hauptburg
Burg Ottenstein, Hauptburg

Besichtigung

 

Das Erscheinungsbild der im Kern mittelalterlichen Burg wird heute durch Kegel- und Walmdächer des 19.Jhs. bestimmt.

Der Rundgang über das Burggelände beginnt am Meierhof und in dem im 18.Jh. neu gestalteten Park. Dabei erreicht man zunächst über eine kurze Steinbrücke das um 1700 erbaute rechteckige Vorwerk mit zwei rundbogigen Toren und einem vorspringenden Stiegenturm. Über einen breiten und tiefen Graben führt eine Steinbrücke weiter zu dem von zwei Strebepfeilern flankierten rundbogigen Tor der Vorburg mit einem quadratischen Torturm mit Zeltdach und tonnengewölbter Durchfahrt. Der Torturm ist durch hohe Mauern mit zwei in den äußeren Burggraben vorspringenden Rundtürmen verbunden, die die Ecken der Vorburg verstärken. Hinter dem Tor erstreckt sich auf einer Art Insel zwischen den Gräben die von Ringmauern umschlossene und der Eingangsseite der Hauptburg zangenartig vorgelagerte Vorburg, deren äußerer Hof an drei Seiten durch eingeschossige ehemalige Personalwohnungen gesäumt wird. Heute ist dort ein Restaurant mit Schanigarten eingerichtet.

Von der Vorburg aus kann man über eine den breiten inneren Burggraben überspannende, mit Bögen unterwölbte steinerne Schlossbrücke mit zwei Hundestatuen auf hohen Postamenten am Zugang weiter gehen und gelangt dann zu dem aus dem frühen 16.Jh. stammenden Torturm mit einer dreibogigen Loggia und einem rundbogigen tonnengewölbten Durchgang, der den Zugang in die mehreckige Hauptburg ermöglicht.

Burg Ottenstein, romanische Burgkapelle
Burg Ottenstein, romanische Burgkapelle

Der idyllische kleine Innenhof der Hauptburg wird nach außen von viergeschossigen und nach innen dreigeschossigen, heute cremefarben gestrichenen Trakten umschlossen. Im Zentrum des Innenhofes steht der im 17.Jh. über der romanischen Zisterne angelegte Brunnen mit einer steinernen Balustrade und einer schmiedeeisernen Haube. Neben dem Eingangstor tritt ein halbrunder Turm aus der Gebäudefront hervor, der die Apsis der im Osttrakt gelegenen romanischen Kapelle (ein quadratischer Bau mit Kreuzgratgewölbe und romanischen Secco-Malereien, dem ersten Fund einer Monumentalmalerei des 12.Jhs. in Niederösterreich) bildet.

Hinter der Kapelle liegt auf einem Vorsprung ein hochmittelalterlicher Zwinger mit Bastion. Der Palas (Wohn- und Repräsentationsgebäude) und die im barocken Stil am Ende des 17.Jhs. erbaute Schlosskapelle (ein in Weiß gehaltener saalartiger Raum mit Spiegelgewölbe und durch Pilaster und Statuen gegliederten Wänden) erstrecken sich an der Talseite im Süden. Die Nordseite des Hofes wird auf der rechten Seite des Eingangstores von dem im 12.Jh. erbauten und mehrfach veränderten quadratischen Bergfried (zeitweilig bewohnbarer Haupt-, Wach- und Wehrturm) eingenommen, der aus großen behauenen Quadern errichtet wurde und früher nur mit einer von Zinnen begrenzten Wehrplattform ausgestattet war.

 

Burg Ottenstein, Innenhof der Hauptburg
Burg Ottenstein, Innenhof der Hauptburg

Auch wenn die mittelalterlichen Teile der Anlage im 17.Jh. und im 19.Jh. größtenteils überbaut wurden, ist die Besichtigung der optisch sehr reizvollen Burg Ottenstein, in deren Gräben einige Ziegen weiden, lohnenswert und interessant. Die schlossähnliche Anlage besticht mit einem eleganten Ambiente und leicht südländischem Flair. Sehenswert sind vor allem die Burgkapelle mit ihren Malereien, der hübsche von den Trakten dicht umsäumte Innenhof und eine in den Innenräumen der Burg eingerichtete Ausstellung mit sehr gelungenen Tier- und Landschaftsfotografien mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Jagd.


 

Die Besichtigung ist von Karfreitag bis Oktober zu den Öffnungszeiten möglich.


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