Rothenburg ob der Tauber

91541, Rothenburg ob der Tauber

 

Auf einer Anhöhe über dem Fluss Tauber gelegene Altstadt der einstigen Reichsstadt Rothenburg mit verwinkelten kopfsteingepflasterten Gassen, von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stein- und Fachwerkhäusern umstandenen Plätzen, Türmen und Toren sowie einer umschließenden Stadtmauer mit Wehrgang und Mauertürmen.

Rothenburg ob der Tauber
Rothenburg o.d.T., Blick vom Rathausturm auf den Marktplatz

Rothenburg o.d. T., Blick vom Burggarten auf die Altstadt mit dem Kappenzipfel
Rothenburg o.d. T., Blick vom Burggarten auf die Altstadt mit dem Kappenzipfel

Geschichte

 

Die Keimzelle Rothenburgs ist eine um 970 durch den ostfränkischen Adeligen Reinger gegründete Kirche im heutigen Stadtteil Detwang im Taubertal.

Um 1070 errichteten die Grafen von Comburg auf der Spitze einer Bergnase über der Tauber die Burg Rothenburg. Nach dem Aussterben der Grafen von Comburg am Anfang des 12.Jhs. fiel die Herrschaft zunächst an das Kloster Comburg, bis Kaiser Heinrich V. seinen Nachfolger Konrad von Schwaben (Hohenstaufer) 1116 mit dem Besitz belehnte. Als römisch-deutscher König Konrad III. ließ dieser um 1142 die Stauferburg Rothenburg auf dem in das Taubertal vorspringenden Bergrücken errichten. Konrads Sohn Friedrich wurde durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa der Titel  und Besitz des Herzogs von Rothenburg verliehen.

Nach dessen Tod und einer zwischenzeitlichen Herrschaft von Friedrich I. Barbarossas Söhnen Konrad und Philipp übernahmen aus der (unfreien) Ministerialität stammende Vögte, gegen Ende des 12.Jhs. Arnold II. und Truchsess Konrad von Rothenburg und ab ca. 1200 bis 1237 (Reichs)Küchenmeister Heinrich Cresse von Rothenburg, die Verwaltung der Besitzungen des Kaisers und agierten als Vertreter der staufischen Stadtherren. Nach der Parteinahme der Familie Heinrichs von Rothenburg für den unterlegenen König Heinrich (VII.) setzte Kaiser Friedrich II. in den 1230er Jahren den Edelfreien Gottfried von Hohenlohe als Verwalter in Rothenburg ein. Ihm folgten die Reichsküchenmeister von Nordenberg nach.

Vor diesem Hintergrund entstand aus einer Ansiedlung von Bediensteten und Handwerkern im Bereich der Reichsburg bis in die zweite Hälfte des 12.Jhs. und nach dem Erhalt der Stadtrechte 1172 die Stadt Rothenburg mit dem Marktplatz und der Jakobskirche als Zentren und einer im frühen 13.Jh. durch Mauern und Türme erweiterten Stadtbefestigung. Es formierte sich der städtische Rat durch die Schöffen des Stadtgerichtes unter dem Vorsitz des Schultheißen. Im Verlauf des 13.Jhs. ließen sich geistliche Ritterorden wie die Johanniter und der Deutsche Orden in Rothenburg nieder, der Schultheiß Hermann von Nordenberg stiftete das Franziskanerkloster und der als Vogt fungierende Reichsküchenmeister Lupold von Nordenberg 1257 das Dominikanerinnenkloster.

In der Mitte des 13.Jhs. musste sich die Stadt aus einer Verpfändung durch Kaiser Konrad IV. freikaufen. Im Jahr 1274 wurde Rothenburg durch den römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg das Privileg einer Reichsstadt verliehen und ab der Mitte des 14.Jhs., nach der Ablösung einer erneuten Verpfändung an den Bischof von Würzburg, bis zum Anfang des 19.Jhs. war Rothenburg direkt dem römisch-deutschen Reichsoberhaupt unterstellt. Seit dem 14.Jh. leitete ein Bürgermeister den seit der ersten Hälfte des 13.Jhs. bestehenden Stadtrat.

Rothenburg o.d. T., Blick vom Kappenzipfel auf die Altstadt
Rothenburg o.d. T., Blick vom Kappenzipfel auf die Altstadt

Um 1400 wurden während der Blütezeit der Stadt unter Bürgermeister Heinrich Toppler die Befestigungen und Kirchen ausgebaut. Dabei entstand ein erweiterter Befestigungsring mit einem vorgeschobenen Streichwehr- und Zwingersystem, die Tortürme wurden burgartig umgestaltet und der bisherige Stadtkern durch die Anlegung von Vorstädten überschritten.

Im letzten Drittel des 14.Jhs. trat Rothenburg dem Schwäbischen Städtebund bei und führte bis zum Anfang des 15.Jhs. zahlreiche Fehden gegen benachbarte Ritteradelige. Nach dem Ankauf von Besitzungen wurde in diesem Zusammenhang um 1430 die reichsstädtische Landwehr (mit neun Türmen) in Konkurrenz zu den hohenzollerischen Burggrafen von Nürnberg (seit 1415 Markgrafen von Brandenburg) und den Bischöfen von Würzburg angelegt. 1407/1408 stand Rothenburg unter Reichsacht und wurde zur Schleifung seiner Burgen gezwungen. Bürgermeister Toppler geriet nach einem Verdacht der Konspiration mit dem abgesetzten König Wenzel in Gefangenschaft und verstarb dort. Ausgleichsverträge mit Markgraf Albrecht Achilles beendeten 1450 die Fehden mit den Fürsten und Ritteradeligen, der Städtebund wurde aufgelöst.

Im ersten Drittel des 16.Jhs. beteiligte sich Rothenburg durch ein Bündnis mit dem vom Schwäbischen Bund vernichtend geschlagenen Bauernheer Florian Geyers am Bauernkrieg und musste sich dem Gericht des siegreichen Markgrafen von Ansbach beugen. In der Mitte des 16.Jhs. wurde die Reformation in Rothenburg eingeführt und eine protestantische Kirchenordnung erlassen. Ein Sieg des Kaisers über den Schmalkaldischen Bund zwang die Stadt zur Zahlung von Kriegsentschädigungen.

Von 1572 bis zum Dreißigjährigen Krieg erlebte Rothenburg eine erneute Blütezeit, in der Rat und Bürger Gebäude im Renaissance-Stil errichten ließen. 1618 tagte die protestantische Union evangelischer Fürsten und Städte in Rothenburg, das sich während des Dreißigjährigen Krieges zur Aufnahme durchziehender Truppen verpflichten musste. So nahm die Stadt eine schwedische Garnison König Gustavs II. Adolf auf, wies aber 1631 den kaiserlichen Feldherrn Tilly bei dessen Ersuchen um ein Winterquartier ab. Die Bürger Rothenburgs besetzten die Wehranlagen, mussten sich dann aber der katholischen Liga ergeben. 1645 wurde die mit den Schweden verbündete Stadt durch französische Truppen besetzt. In der Folgezeit kam es aufgrund von Schulden zu Verpfändungen und Verkäufen von Wertgegenständen und Immobilien, was den reichsstädtischen Kleinstaat bedeutungslos werden ließ. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688) wurde die Landwehr durch einen französischen Einfall beschädigt.

Am Ende des 18.Jhs. gab es Unruhen der Rothenburger Bürger während des Reichskrieges gegen das revolutionäre Frankreich. Preußen schloss daraufhin mit Rothenburg einen Vertrag über Grenzbereinigungen mit der Landwehr. Nach Beschlüssen der europäischen Großmächte und des Reichstages sowie des Reichsdeputationshauptschlusses (unter anderem Mediatisierung: Übergehen des Gebietes fast aller Reichsstädte und der bisher reichsunmittelbaren kleineren weltlichen Herrschaften an sie umgebendes größeres Territorium) am Anfang des 19.Jhs. wurde die Reichsstadt Rothenburg durch das Königreich Bayern übernommen und verkaufte zahlreiche öffentliche Gebäude, was zu einer Abwanderung fast aller bisher im Stadtrat vertretenen bürgerlichen Geschlechter führte. Auf Druck des napoleonischen Frankreichs trat Rothenburg den westlichen Teil der Landwehr an Württemberg ab, was die Wirtschaftskrise noch verschärfte. Die Stadt erholte sich erst wieder nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871 durch Industrialisierung und Fremdenverkehr sowie den Ausbau der Infrastruktur. Nach einer teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden die Wehranlagen wieder hergestellt.

Rothenburg ob der Tauber Altstadt
Rothenburg o.d. T., Blick auf die Altstadt

Besichtigung

 

Die Rothenburger Altstadt verfügt über ein geschlossenes spätmittelalterliches und frühneuzeitliches Stadtbild mit vielen sehenswerten Straßenzügen und Gebäuden.

Der Stadtkern besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit der Herrn- und Hafengasse als Hauptachse sowie dem Marktplatz und der Schmiedgasse als Kreuzungspunkt und Nebenachse. Die Herrn- und Hafengasse, der Marktplatz und die Schmiedgasse werden von meist dreigeschossigen, aus Stein oder Fachwerk erbauten Häusern des reichsstädtischen Patriziats mit steilen ziegelgedeckten Dächern, hohen spitzen Giebeln und Fachwerkrückgebäuden sowie Ladengeschäften und Gasthäusern mit schmiedeeisernen Auslegern an den Fassaden gesäumt.

 

Das Zentrum der Altstadt bildet der Marktplatz, der von dem mit einem hohen Giebeldach versehenen Doppelbau des Rathauses auf der Westseite beherrscht wird.

Rothenburg o.d. T., Rathaus
Rothenburg o.d. T., Rathaus

Dessen vorderer Teil ist ein sandsteinernes Renaissancegebäude aus den 1570er Jahren mit Treppenturm, einem hohen Eckerker, einem barocken Arkadenvorbau und großen Hallen mit Balkendecken im Inneren. Dahinter grenzt ein zwischen 1250 und 1400 errichteter, weiß gekalkter gotischer Gebäudeteil mit einer steilen Fassade, dem von einer mächtigen hölzernen Balkendecke überspannten gotischen Kaisersaal und dem 60m hohen Glockenturm an, der seine heutige Gestalt in der Mitte des 16.Jhs. erhielt und bestiegen werden kann. Vom Turmkranz bietet sich dann ein wunderschöner Ausblick über die Altstadt und die Stadtmauer.

Rothenburg o.d. T., Lichthof des Rathauses
Rothenburg o.d. T., Lichthof des Rathauses

Die beiden Bauten des Rathauses sind durch den Lichthof miteinander verbunden, in dem ein Renaissance-Portal, an dessen Seiten Längenmaße des mittelalterlichen Rothenburg angebracht sind, den Zugang zum gotischen Bau ermöglicht. Daneben befinden sich feuersichere Gewölbe, ab dem 14.Jh. zeitweise als Kramläden genutzt wurden und unter denen sich Verliese erstrecken.

Rothenburg o.d. T., Marktplatz
Rothenburg o.d. T., Marktplatz

Neben dem Rathaus liegt an der Nordseite des Marktplatzes die 1446 erbaute creme-orangefarbene Ratsherrntrinkstube, seit der Mitte des 16.Jhs. auch die städtische Mehlwaage, mit einer großen Stadtuhr (1683), einer Sonnenuhr (1768) und dem reichsstädtischen Wappen (ein Doppeladler mit dem Symbol Rothenburgs, eine aus Mauer und Türmen bestehende Burg mit einer Gerichtslaube in der Mitte) im Giebel. Bekannt ist die Ratsherrntrinkstube aber vor allem für ihre Kunstuhr von 1910 an der Fassade, die zu jeder vollen Stunde in zwei Butzenfenstern die Meistertrunk-Szene (Altbürgermeister Georg Nusch trank auf Befehl des Feldherrn Tilly 3 ¼ Liter Wein und bewahrte so die Stadt vor der Zerstörung)  darstellt.

Rothenburg o.d. T., Fleisch- und Tanzhaus und Jagstheimerhaus
Rothenburg o.d. T., Fleisch- und Tanzhaus und Jagstheimerhaus

Am südlichen Ende des Marktplatzes steht der St. Georgs- bzw. Herterichsbrunnen mit Verzierungen aus der späten Renaissance, der größte und schönste Brunnen Rothenburgs. Der aus einer schlanken wappengeschmückten Brunnensäule mit der krönenden Gestalt des Ritters St. Georg bestehende Brunnen wird seit der Mitte des 15.Jhs. bewässert. Früher waren davor die Instrumente mittelalterlicher Gerichtsbarkeit (Galgen, Pranger, Drehhäuschen, Holzesel) aufgestellt. Hinter dem Brunnen befindet sich das reichsstädtische Fleisch- und Tanzhaus mit einem steilen spätgotischen Fachwerkgiebel. Das Gebäude wurde auf den Mauern des ersten Rathauses errichtet. In seinem kreuzgewölbten romanischen Untergeschoss waren bis in das 18.Jh. die Verkaufsstände der Fleischhauer untergebracht, der sich unter einer gotischen Holzdecke erstreckende hohe Saal diente für die Feste der Bürger. Erwähnenswert ist schließlich noch das neben dem Fleisch- und Tanzhaus am Beginn der Herrngasse gelegene, mit einem steilen Fachwerkgiebel und Erker ausgestattete Jagstheimerhaus von 1488 mit der Marienapotheke und einem Innenhof mit verzierten Brüstungen der Galerien.

Rothenburg o.d. T., Blick vom Wehrgang auf die Jakobskirche
Rothenburg o.d. T., Blick vom Wehrgang auf die Jakobskirche

Der große Marktplatz mit seinen historischen Gebäuden und einigen Lokalen stellt den idealen Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die von Stadttoren und einem turmbewehrten Wehrgang umschlossene Altstadt dar.

Ganz in der Nähe des Marktplatzes gelangt man zu der gotischen Stadtpfarrkirche St. Jakob mit zwei unterschiedlich hohen Türmen im Norden und Süden. Sie wurde von 1311 bis 1484 mit dem Deutschen Orden als Auftraggeber und der Bürgerschaft als Financier auf dem Areal einer romanischen Vorgängerkirche errichtet. In ihrem Innenraum steht auf der Westempore der Heilig-Blut-Altar, ein ehemaliger Wallfahrtsaltar, der um 1500 durch den Bildschnitzer Tilman Riemenschneider aus Lindenholz gefertigt wurde. In seiner Mitte befinden sich in einem vergoldeten Kreuz die Reliquie (eine Bergkristallkapsel angeblich mit drei Blutstropfen Christi), die Abendmahlsdarstellung und Reliefs mit Darstellungen vom Einzug Jesu in Jerusalem. Der Ostchor, der der älteste Bauteil der Kirche, am Ende des Langhauses ist mit hohen Farbglasfenstern aus der Zeit um 1400 und dem farbenprächtigen spätgotischen Zwölf-Boten-Altar (Hauptaltar, 1466) von Friedrich Herlin mit Schnitzfiguren und der ältesten Darstellung der Stadt Rothenburg (der Marktplatz im 15.Jh.) ausgestattet. Eine Besonderheit der Jakobskirche ist eine Durchfahrt unter der Westempore, die in die Klingengasse mit einem Fachwerkhaus mit dem Feuerleinserker (um 1600) führt.

Am Kirchplatz sind die ehemalige Sakristei der in der Mitte des 15.Jhs. als Friedhofskapelle erbauten Michaelskapelle (ein achteckiger Zentralbau) gegenüber dem Ostchor der Jakobskirche sowie der am Ende des 16.Jhs. entstandene sandsteinerne Renaissancebau des Alten Gymnasiums mit seinem achteckigen Treppenturm mit Zwiebelhaube, Sonnenuhren und einem prunkvollen Portal einen genaueren Blick wert.

Unweit der Kirche ist am Klosterhof das ehemalige Dominikanerinnenkloster aus der Mitte des 13.Jhs. gelegen. Bis in die Mitte des 16.Jhs. hinein war es Wohnort vor allem unverheirateter Töchter der Patrizier und des Landadels. In den klösterlichen Wohn-, Schlaf- und Wirtschaftsräumen mit einem Kreuzgang mit frühgotischen Fenstern, dem Winterrefektorium mit Tonnengewölbe, dem Festsaal mit Stuckdecke und der Klosterküche (um 1300) ist heute das Reichsstadtmuseum eingerichtet. Im Dormitorium des Klosters wird die Geschichte der Stadt präsentiert, Ausstellungsstücke sind z.B. der Zyklus der Rothenburger Passion von Martinus Schwarz (Ende 15.Jh.), der gläserne Kurfürstenhumpen mit Emaillemalerei von 1616 (der bei hohen Besuchen zum Begrüßungstrunk verwendet wurde) und eine Sammlung von Fayencen und Waffen.

 

Als eine Verbindung zwischen dem Marktplatz und der ehemaligen Burg fungiert die am Ende des 13.Jhs. im frühgotischen Stil und ohne Türme erbaute dreischiffige Franziskanerkirche in der Herrngasse, die älteste Kirche Rothenburgs. Sehenswert ist in ihrem Inneren der den Chor vom Langhaus trennende Lettner, eine mit Darstellungen aus dem Leidensweg Christi bemalte hölzerne Abtrennung zwischen dem Raum für Mönche und dem für Laien. Der Hauptaltar wurde von Tilmann Riemenschneider geschaffen und zeigt die Stigmatisation des heiligen Franz von Assisi. An den Wänden und am Fußboden sind Grabsteine und -tafeln einheimischer Patrizierfamilien und des benachbarten fränkischen und schwäbischen Landadels eingelassen, von denen das älteste Grabmal aus dem späten 13.Jh. stammt.

Gegenüber der Franziskanerkirche befindet sich der mit Treppenturm, Säulen, Galerien und Erkern ausgestattete Staudtsche Patrizierhof (Herrngasse Nr. 18), der in der zweiten Hälfte des 17.Jhs. im Stil der Renaissance errichtet wurde. Er besitzt schmiedeeiserne Fenstergitter im barocken Stil, auf prominente Gäste (z.B. die römisch-deutschen Kaiser Karl V. und Ferdinand I. und die Gattin König Gustavs II. Adolf von Schweden) hinweisende Inschriftentafeln und einen romantischen Innenhof.

In der Herrngasse liegt auch das in fünf miteinander verbundenen Patrizierhäusern eingerichtete „Weihnachtsdorf“ von Käthe Wohlfahrt, das unter anderem mit einem 5m hohen Weihnachtsbaum inmitten eines verschneiten fränkischen Marktplatzes, einem 4m hohen Nussknacker und einer 5m hohen Weihnachtspyramide dekoriert ist. In den Läden kann man das ganze Jahr über weihnachtliche Artikel kaufen und das Weihnachtsmuseum besichtigen.

Rothenburg o.d. T., Schmiedgasse
Rothenburg o.d. T., Schmiedgasse

Die Obere Schmiedgasse nach Süden entlang gehend kommt man unterhalb des Marktplatzes zu dem patrizischen Baumeisterhaus vom Ende des 16.Jhs., einem Werk und Wohnhaus des Rothenburger Steinmetzen Leonhard Weidmann. Es verfügt über einen Treppengiebel mit Voluten in Form von Drachen, eine reich gegliederte Renaissance-Fassade mit plastischen Darstellungen der sieben Tugenden und sieben Laster an den Fensterstützen und einen Innenhof mit Holzbalustraden, Butzenfenstern und Umgängen. An das Baumeisterhaus grenzt das ehemalige, mintgrün gestrichene Wohnhaus des Bürgermeisters Heinrich Toppler (heute Gasthof Zum Greifen) mit seinem eher schlichten Giebel an.

Die von der Oberen Schmiedgasse abzweigende Burggasse ist wohl die älteste Gasse der Stadt mit dem Haus Nr. 8 („Zur Höll“) als ältestem Wohngebäude Rothenburgs. Unter den mächtigen Holzdecken und in den Gewölben der ehemaligen Komturei des Johanniterordens, der sich um 1200 in Rothenburg niederließ, kann man hier das Kriminalmuseum, das einzige Rechtskundemuseum Europas, besuchen. Am Eingang stehen ein Tauchgestell für Bäcker mit zu leichtem Brot und Schandkarren, im Museum selbst sind Folterinstrumente und Werkzeuge des Strafvollzuges für Schand- und Ehrenstrafen zu sehen.

An der Kreuzung der Schmiedgasse mit dem Alten Stadtgraben liegt die an ein einstiges Spital angebaute gotische St.-Johannis-Kirche aus dem frühen 15.Jh. mit den Resten eines Tores der ersten Stadtbefestigung an der Westseite. Die Häuserzeile gegenüber wurde anstelle der ältesten Stadtmauer angelegt. An ihrem Beginn steht das hellrot gestrichene ehemalige Wohnhaus des Bürgermeisters Georg Nusch (heute Gasthof Roter Hahn).

Rothenburg o.d. T., Plönlein
Rothenburg o.d. T., Plönlein

Wenn man nun der Schmiedgasse weiter folgt, erreicht man die triangelförmige Straßengabelung Plönlein, an der ein schmales Fachwerkhaus mit Brunnen von dem höher gelegenen und zum Kappenzipfel führenden Siebersturm aus dem letzten Drittel des 14.Jhs. und dem hinab in das Taubertal führenden Kobolzellertor aus dem 14.Jh. eingefasst wird. Die überaus sehenswerte Straßengabelung, die eines der schönsten Motive Rothenburgs darstellt, säumen Bürgerhäuser aus Stein und Fachwerk.

Durch den Siebersturm gelangt man auf den sogenannten Kappenzipfel mit dem Spitalviertel. In dessen Norden befindet sich am Mühlacker eine Rossmühle mit hohen Strebepfeilern und einem durch sechzehn Pferde antreibbaren Göpelwerk. Die Rossmühle wurde 1516 als Stadtmühle für die Versorgung in Notfällen errichtet. Ihr gegenüber steht die zur Lagerung des städtischen Anteiles der landwirtschaftlichen Ernte dienende Zehntscheuer vom Ende des 17.Jhs.. Sie liegt bereits in dem Gebäudekomplex des am Ende des 13.Jhs. außerhalb der Stadtmauer entstandenen und im 15.Jh. in den befestigten Bereich miteinbezogenen Heilig-Geist-Spitals. Auf dessen Gelände sind das Verwaltungsgebäude, die Spitalkirche aus dem späten 13.Jh. in Form einer einschiffigen Basilika, das im Spitalhof von Wirtschaftsbauten umrahmte Hegereiterhaus (Sitz des Spitalbereiters und Spitalküche) mit einem spitzen Helmdach und runden Treppenturm mit Laternenhaube, ein Gebäudekomplex mit dem „Pesthaus“ (mit zellenartigen Isolierräumen) und der Fachwerkbau des Keller- und Backhauses zu erwähnen.

Rothenburg o.d. T., Gerlachschmiede
Rothenburg o.d. T., Gerlachschmiede

Zurück in der Altstadt sollte man sich nun die zum Röderbogen führende Rödergasse mit Fachwerkhäusern, an denen teilweise Wandsprüche angebracht sind, anschauen. In der Nähe des Rödertores ist die aus Fachwerk hinter einem offenen Vorplatz erbaute Gerlachschmiede mit einem schlanken, mit bunten Wappentafeln dekorierten Giebel interessant.

Vom Marktplatz aus kommt man an der seit dem letzten Drittel des 14.Jhs. bestehenden Löwenapotheke vorbei zum Kapellenplatz als einstigem Standort der Marienkapelle, die ursprünglich die am Ende des 13.Jhs. erbaute erste jüdische Synagoge Rothenburgs war. Neben dem Weißen Turm steht in der Galgengasse mit ihren nach fränkischer Bauart errichteten Bürger- und Handwerkerhäusern das „Judentanzhaus“. Das Fachwerkhaus mit Eckerker war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde.

Rothenburg o.d. T., Wolfgangskirche
Rothenburg o.d. T., Wolfgangskirche

Richtung Norden weiter gehend erreicht man das Klingentor, vor dem in der zweiten Hälfte des 15.Jhs. auf einem Betplatz die trutzige St. Wolfgangs-kirche/Schäferkirche in Form einer in die Stadtbefestigung hinein gebauten Wehrkirche entstand. Der netzgewölbte Innenraum ist mit spätgotischem Maßwerk und drei Altären aus der Zeit um 1500 ausgestattet. Nach der Besichtigung des sehr interessanten Gebäudes kann man nun durch die Klingengasse zur Jakobskirche und zum Marktplatz zurückkehren oder die Altstadt noch einmal über den Wehrgang der Stadtmauer umrunden. (mehr Informationen zur Stadtbefestigung)

 

Rothenburg o.d. T., Altstadt mit Weißem Turm, Rathaus und Jakobskirche
Rothenburg o.d. T., Altstadt mit Weißem Turm, Rathaus und Jakobskirche

Da die kopfsteingepflasterten Gassen des Stadtkernes von vollständig erhaltenen historischen Gebäuden gesäumt werden, ist der der Spaziergang durch die wunderschöne Rothenburger Altstadt, auf dem man sich wie auf einer Zeitreise in das Spätmittelalter und die frühe Neuzeit fühlt, ein ganz besonderes Erlebnis. Die sich in den dicht an dicht stehenden Fachwerk- oder Steinhäusern mit ihren reich verzierten Fassaden befindlichen Lokale und Geschäfte laden während der Entdeckungstour durch die einstige Reichsstadt immer wieder zum Verweilen, Einkehren und Bummeln ein.

Aufgrund des einzigartigen Ambientes und Flairs vergangener Jahrhunderte der von türmebewehrten Befestigungsmauern umschlossenen Altstadt gehört Rothenburg ob der Tauber zu den sehenswertesten Städten Deutschlands und ist heute wohl das Vorzeigebeispiel einer mittelalterlichen Stadt.