Sparrenburg/Burg Sparrenberg - Bielefeld

Am Sparrenberg 38A, 33602 Bielefeld

 

Auf dem 180m hohen Sparrenberg liegende, vor 1250 als Wohn- und Verwaltungssitz durch die Grafen von Ravensberg zur Sicherung des Bielefelder Passes über den Teutoburger Wald/Osning und zum Schutz der seit dem frühen 13.Jh. entstehenden Stadt Bielefeld erbaute Festungsanlage.

Bielefelder Sparrenburg, Blick vom Marienrondell auf die ehemalige Vorburg, den Burghof und den Bergfried
Bielefelder Sparrenburg, Blick vom Marienrondell auf die ehemalige Vorburg, den Burghof und den Bergfried



 

Geschichte

 

Die wahrscheinlich nach dem Wappen der Grafen von Ravensberg benannte Höhenburg Sparrenberg wurde wohl durch Graf Hermann II. oder Ludwig von Ravensberg zunächst als rechteckige Anlage mit einer Vor- und Hauptburg, die durch eine Mauer mit Turm getrennt waren, errichtet und im Jahr 1356 erstmals erwähnt. Neben der Funktion als Wohnsitz des Landesherrn war die Burg Sitz eines Amtmannes und eines grafschaftlichen Drosten. Zusammen mit den Burgen Ravensberg, Limberg und Vlotho diente die Sparrenburg zur Überwachung der Handelswege und Sicherung des ravensbergischen Herrschaftsgebietes.

Nach dem Aussterben der Grafen von Ravensberg fiel die Burg in der Mitte des 14.Jhs. durch Erbe zunächst an das Haus Jülich-Berg und am Anfang des 16.Jhs. übergingen die Burg und die Grafschaft Ravensberg an das Herzogtum Kleve. Unter den Herzögen von Jülich-Kleve-Berg (vor allem unter Johann III.) erfolgten nach dem Aufkommen von Feuerwaffen um die Mitte des 16.Jhs. der Ausbau der Sparrenburg und die Errichtung der renaissancezeitlichen Festungsanlagen. Hierbei verband man den Geschützturm in der Westecke und die drei Rondelle durch Festungsmauern mit begehbaren Kasematten im Inneren.

Der jülich-klevische Erbfolgestreit führte am Anfang des 17.Jhs. zum gemeinsamen Besitz der Sparrenburg durch die Haupterben Kurfürstentum Brandenburg-Preußen und Fürstentum Pfalz-Neuburg. Der Streit wurde mit dem Vertrag von Xanten beendet, der die Burg Brandenburg-Preußen zuschrieb. Nachdem die Burg im Dreißigjährigen Krieg zunächst durch mit Brandenburg verbündete Niederländer, dann von spanischen und zuletzt von französischen Truppen besetzt worden war, übergab man sie nach der Bestätigung der Zugehörigkeit im Westfälischen Frieden 1648 wieder an Brandenburg-Preußen. Der hohenzollerische Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg ließ die Sparrenburg als Festung und Wohngebäude noch einmal herrichten. 1673 widerstand die Besatzung der Burg im Krieg zwischen Ludwig XIV. von Frankreich und den Vereinigten Niederlanden einer Belagerung durch die Truppen des Fürstbistums Münster.

Ab dem Siebenjährigen Krieg in der Mitte des 18.Jhs. verlor die Sparrenburg an militärischer Bedeutung. Nachdem König Friedrich II. von Preußen einige Jahrzehnte später die Abtragung der Steine der Außenmauern veranlasst hatte, verfiel die Burg zu einer Ruine.

Heute ist die Sparrenburg nach der romantischen Wiederentdeckung als historisches Denkmal im 19.Jh., dem Erwerb durch die Stadt Bielefeld und einer kurzen militärischen Nutzung während des Zweiten Weltkrieges das Wahrzeichen der Stadt und ein beliebtes Ausflugsziel.

 

Sparrenburg, Hauptburg
Sparrenburg, Hauptburg

Besichtigung

 

Von der recht kleinen mittelalterlichen Burganlage sind nur mehr die Basis des Bergfriedes sowie Reste des Torhauses auf dem Gelände der ehemaligen Vorburg erhalten. Die Festungsmauern stammen aus der frühneuzeitlichen Renaissance und sind in dieser Form in Deutschland einzigartig.

Der Rundgang über das Burg- und Festungsgelände beginnt an der steinernen Torbrücke und der kurz danach folgenden mittelalterlichen (unterirdisch liegenden) Zugbrücke, die einst einen Halsgraben überspannte. Von der Brücke und dem früheren Festungstorhaus aus gelangt man rechts am Schusterrondell vorbei auf das Gelände der ehemaligen Vorburg mit den teilweise mittelalterlichen Resten des zum heutigen Burghof führenden Burgtorhauses.

Im Burghof wurde am Ende des 19.Jhs. an der Stelle eines Wirtschaftsgebäudes ein Palas im neogotischen Stil gebaut. Der mittelalterliche Palas (Wohn- und Repräsentationsgebäude) stand wahrscheinlich an der Nordwestmauer der Hauptburg im Bereich des Grabungsfeldes am Kiekstattrondell. Im Innenhof wurde im Jahr 1900 in der Gegenwart Kaiser Wilhelms II. ein Denkmal des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg aufgestellt.

Nachdem man den Burghof wieder verlassen hat, ist es empfehlenswert, zum Marienrondell (in der Südostrecke) hinauf zu gehen, denn von hier aus bietet sich ein sehr guter Blick auf die Burggebäude. Anschließend geht es geradeaus zum Areal der ehemaligen Hauptburg mit dem runden Bergfried (zeitweilig bewohnbarer Haupt-, Wach- und Wehrturm) bzw. dem Aussichtsturm aus dem 19.Jh. weiter, der bestiegen werden kann. Der Turm steht in der einstigen Schildmauer, die früher Vor- und Hauptburg voneinander trennte.

Auf dem Gelände der Hauptburg erstreckt sich an dem mit einem Scherpentiner verstärkten Windmühlenrondell (in der Nordwestecke) und dem sich gegenüber befindlichen Kiekstattrondell (in der Nordostecke) ein Grabungsfeld, in dem die Fundamente einiger Gebäude aus dem 16.Jh. bis 19.Jh. freigelegt wurden. Rechts am Palas vorbei kann man zur Vorburg zurückkehren.

 

Burg Sparrenberg, Sparrenburgfest
Burg Sparrenberg, Sparrenburgfest

Vom Gelände der Burg und vom Turm aus hat man einen schönen Ausblick auf Bielefeld und seine Umgebung. Zudem ist es möglich, das 300 Meter lange unterirdische Gangsystem zu besichtigen, das im Winter von zwölf verschiedenen Fledermausarten als Quartier genutzt wird. Im Juli findet an den Festungsmauern das lebendige Sparrenburgfest (das es zum ersten Mal bereits 1884 gegeben hat) mit einem Mittelaltermarkt und zahlreichen Vorführungen statt.

Auch wenn sich von dem einstigen Wohn- und Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft Ravensberg eher wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten hat, ist der Besuch der hoch über der Stadt Bielefeld gelegenen Sparrenburg dennoch sehr interessant. Die mächtige frühneuzeitliche Festungsanlage besticht mit dem ganz besonderen historischen Flair einer abwechslungsreichen Vergangenheit und zieht als lohnenswertes Ausflugsziel nicht nur Burgenliebhaber in ihren Bann.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig zu den Öffnungszeiten möglich. Die Turmbesteigung kostet ein geringes Eintrittsgeld.

www.bielefeld.de/de/ti/sehenswuerdigkeiten/sparrenburg


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