Kaiserpfalz - Goslar

Kaiserbleek 6, 38640 Goslar

 

Seit dem 11.Jh. am Fuße des Rammelsberges gelegene, salisch-staufische und im romanischen Stil gehaltene Kaiserpfalz der ehemaligen Reichsstadt Goslar mit ihren schiefergedeckten Fachwerkhäusern in verwinkelten kopfsteingepflasterten Gassen.

Pfalzen waren befestigte Plätze, die vom Herrscher regelmäßig aufgesucht wurden (die mittelalterlichen Könige regierten nicht von einem festen Ort aus, sondern reisten im Reich herum) und mit adäquater baulicher Ausstattung meist in Form von repräsentativen Wohngebäuden mit Saal versehen waren.

Kaiserpfalz, Goslar
Kaiserpfalz, Goslar



 

Geschichte

 

Die heutige UNESCO-Welterbestadt Goslar entstand ab der zweiten Hälfte des 10.Jhs. aus einem Bergarbeiterdorf um die Kirche St. Johannis sowie der Handwerker- und Händlersiedlung rund um den Marktplatz. Mit der Reichssynode 1009 wurde Goslar unter Kaiser Heinrich II. aus dem Adelsgeschlecht der Ottonen zu einer zentralen Pfalz des sich aus dem Ostfränkischen Reich heraus bildenden Heiligen Römischen Reiches. Der Salier Konrad II. baute die Kaiserpfalz in den 1030er und 1040er Jahren weiter aus und unter Heinrich III. war die Goslarer Pfalz ein Mittelpunkt des Reiches. Bis in das 12.Jh. hatte sich die Siedlung unter den salischen Herrschern so zu einem der wichtigsten Herrschaftsorte des Heiligen Römischen Reiches entwickelt. Für die salischen Kaiser von Heinrich V. bis zum Staufer Friedrich I. Barbarossa blieb Goslar der bevorzugte Aufenthaltsort während ihrer mobilen Herrschaftsausübung.

Unter Friedrich II. wurde der letzte Reichstag in Goslar abgehalten, danach zogen sich die Könige/Kaiser (während des Interregnum ohne machtausübenden Herrscher) aus der nördlichen Reichshälfte zurück (was jedoch zum Aufschwung der städtischen Unabhängigkeit Goslars beitrug).

 

Kaiserpfalz, Goslar
Kaiserpfalz, Goslar

Besichtigung

 

Der zentrale Bau der Goslarer Kaiserpfalz ist das im Westen liegende und aus dem 11.Jh. stammende Kaiserhaus, an dessen Freitreppen um 1900 eine Nachbildung des Braunschweiger Löwen sowie zwei Reiterstatuen Kaiser Friedrichs I. Barbarossa und Kaiser Wilhelms I. aufgestellt wurden. Dieser größte, älteste und besterhaltene Profanbau des 11.Jhs. in Deutschland wird von einem mit Schiefer gedeckten Steildach überspannt und diente als favorisierter Aufenthaltsort vor allem der salischen Herrscher. Das Gebäude besteht aus einem zweigeschossigen Saalbau (dessen oberer Saal der mit Rundbogenfenstern ausgestattete „Sommersaal“ und unterer Saal der mit kleineren Fenstern und einer Warmluftheizung versehene „Wintersaal“ ist) sowie einem anschließenden zweigeschossigen Wohngebäude (mit einer Verbindung zum Saal und zur Liebfrauenkirche) im Norden und einem Wohngemach (aus dem frühen 12.Jh.) im Süden. In der ersten Hälfte des 12.Jhs. wurde der Saalbau um einen mittigen Quertrakt und eine Vorhalle im Erdgeschoss erweitert. Der imposante Kaisersaal ist heute mit historistischen Wandmalereien aus dem 19.Jh. verziert und im Erdgeschoss des Saalbaus wurde eine Ausstellung zum mittelalterlichen Reisekönigtum eingerichtet.

Im Norden der Pfalz befand sich einst die nicht mehr erhaltene zweistöckige Liebfrauenkirche (ein zentraler quadratischer Bau mit einem Westwerk mit zwei Rundtürmen). Die heutige Pfalzkapelle ist die in der ersten Hälfte des 12.Jhs. im Süden des Saalbaus errichtete St. Ulrichs-Kapelle. Sie verfügt über eine gleicharmige kreuzförmige Unterkapelle und eine achteckig angelegte Oberkapelle, in der ein Sarkophag mit dem Herz Heinrichs III. steht. Seit dem 19.Jh. ist die Ulrichskapelle über einen Arkadengang mit dem Kaiserhaus verbunden.

Im Osten des Geländes lag bis zum Abbruch 1819 die dreischiffige Stiftskirche St. Simon und St. Judas mit einem zweitürmigen Westwerk, Vierungsturm und der noch vorhandenen nördlichen Vorhalle (um 1150). Um das Kaiserhaus herum erstreckten sich früher Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Stiftsherren und Ministerialen, Ställe und Vorratskammern.

 

 

Die Goslarer Kaiserpfalz besitzt als ein zentraler Herrschaftsmittelpunkt des Hochmittelalters große historische Bedeutung für die Entwicklung und Geschichte des Heiligen Römischen Reiches. Die Besichtigung der repräsentativen Anlage ist daher überaus lohnenswert und lässt sich durch die Mitnahme weiterführender Literatur oder Souvenirs aus dem gut sortierten Museumsshop noch einmal vergegenwärtigen und vertiefen.

Während des Rundganges über das Areal der Kaiserpfalz und entlang der mächtigen, wenn auch teilweise rekonstruierten Mauern kann man die Atmosphäre längst vergangener Zeiten noch deutlich spüren und wünscht sich dabei immer wieder, die hochmittelalterliche Pracht und Lebendigkeit der Kaiserpfalz selbst erleben zu können.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig zu den Öffnungszeiten möglich.

Es muss Eintritt gezahlt werden.

www.goslar.de/tourismus/sehenswertes/kaiserliche-baukunst