Kelheim

93309 Kelheim

 

Um die eisenzeitlich-keltische Höhensiedlung Alkimoennis auf dem Michelsberg und am römischen Grenzwall Limes gewachsene, ab dem frühen Mittelalter durch das Adelsgeschlecht der Wittelsbacher und in der späten Neuzeit königlich-bayerische Baumaßnahmen geprägte Stadt zwischen der Altmühl und der Donau sowie am Main-Donau-Kanal.

Befreiungshalle, Kelheim
Befreiungshalle, Kelheim

Geschichte

 

Spuren menschlicher Aktivitäten finden sich auf dem Stadtgebiet seit der Altsteinzeit, wie Höhlen entlang der Altmühl bezeugen. Während der bronzezeitlichen Urnenfelderkultur und der Zeit der eisenzeitlich-keltischen Höhensiedlung Alkimoennis besaß der Ort Zentrumsfunktion. Ab dem 1.Jh. lag das spätere Kelheim an der Nordgrenze des römischen Reiches. Nach der Abwanderung der Römer wurde das Gebiet durch den germanischen Stamm der Bajuwaren besiedelt.

Im 9.Jh. als Sitz eines Gaugrafen erstmals genannt, erlebte Kelheim im Mittelalter eine Blüte. Seit dem 10.Jh./11.Jh. wurde es von den Wittelsbachern beherrscht und durch die Lage an einem wichtigen Donauübergang florierten Handwerk, Handel und Schifffahrt. In der Mitte des 12.Jhs. erfolgte die Erhebung Kelheims zur Stadt. Herzog Ludwig I. „der Kelheimer“ von Bayern ließ die Stadt im ersten Drittel des 13.Jhs. neugestalten: Kelheim bekam vier Stadtviertel, den Ludwigsplatz und eine dreitorige Stadtmauer.

Die Neuzeit brachte durch den Österreichischen Erbfolgekrieg und die Napoleonischen Kriege eine desolate Wirtschaftslage über die Stadt. In der Mitte des 19.Jhs. ließ König Ludwig I. von Bayern die Befreiungshalle als Nationaldenkmal errichten. Nach den Weltkriegen setzte unter anderem durch den Bau des Main-Donau-Kanals wieder wirtschaftlicher Aufschwung ein. Heute präsentiert sich Kelheim als beliebtes Ausflugsziel mit mittelalterlichem Flair.

 

Besichtigung

 

Ich habe diesen Rundgang im Uhrzeigersinn aufgebaut, ausgehend vom Stadtkern am Stadtplatz. Die Kelheimer Altstadt besteht aus vier Stadtvierteln, die sich am Mittelpunkt der Altstadt kreuzen. Richtung Osten erstreckt sich der Ludwigsplatz mit dem alten Rathaus von 1598 (im 17.Jh. erneuert) mit einem Brunnenhof und dem neuen Rathaus von 1912, untergebracht in einem umgestalteten Renaissancebau mit Schweifgiebel.

Eine Stadtmauer mit drei Toren umschließt den Stadtkern. Im Süden befindet sich das Donautor aus der Mitte des 13.Jhs. mit einem Wehrerker. Es war einst Sitz der Pflasterzolleinnahme für Fuhrwerke. Unweit steht im Südwesten der aus Resten des alten Herzogschlosses im letzten Viertel des 15.Jhs. erbaute Schleiferturm/Römerturm, dessen gegenüberliegendes Pendant der Stadtknechtturm darstellt. Im Westen gewährt das Mittertor aus dem 14.Jh. Einlass zur Altstadt. Das nördliche Altmühltor entstand im 13.Jh. und 14.Jh..

 

Vom Ludwigsplatz nach Osten gehend gelangt man zu der gotischen Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus der Mitte des 15.Jhs.. Sie besitzt die Form einer dreischiffigen Basilika mit einem spitzhelmbekrönten neogotischen Turm von 1862 sowie im Inneren eine flache Holzdecke über dem Langschiff und Kreuzrippengewölbe in den Seitenschiffen. Nicht weit entfernt stehen das 1607 gegründete Weiße Brauhaus, die älteste Weißbierbrauerei in Bayern, und die im 13.Jh. nach der Ermordung Herzog Ludwigs I. errichtete und 1600 als Spitalskirche veränderte Ottokapelle.

 

Herzogskasten, Kelheim
Herzogskasten, Kelheim

Seit 1981 ist im spätgotischen Herzogskasten, einem Getreidespeicher aus dem 15.Jh., das Archäologische Museum untergebracht. In dem für Abgaben des Zehntes angelegten begrünten Innenhof befinden sich Nachbauten bronzezeitlicher Grabhügel und ein 13 m hoher Originalrest der Stadtmauer des keltischen Oppidums Alkimoennis. Das Museum präsentiert die Archäologie und Geschichte des Kelheimer Raumes von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter anhand von Ausgrabungsfunden und -befunden ergänzt durch Modelle sowie eine stadtgeschichtliche Abteilung vor allem zum Kelheimer Handwerk.

Die eisenzeitlich-keltische Höhensiedlung Alkimoennis, der Schwerpunkt der Ausstellung, wurde um 120 v. Chr. als Befestigung des Michelsberges angelegt. (Mehr dazu hier...). Als Kalkablagerung eines jurazeitlichen Meeres entstanden, bildet der Michelsberg den östlichsten Ausläufer der Altmühlalp im Mündungsdreieck der Flüsse Donau und Altmühl. Während der Bronze- und Eisenzeit besaß der Ort Zentrumsfunktion, heute beherrscht ihn die im 19.Jh. errichtete Befreiungshalle. Alkimoennis wurde durch drei quer über den Berg verlaufende erdene Abschnittswälle, die einst mit einer vorgelagerten Mauer aus Holzpfosten und dazwischen aufgeschichteten Kalksteinplatten versehen waren, und zwei Zwischenschanzen gesichert. Die äußere Mauer verfügte über drei Zangentore, die innere über zwei Tore als Zugänge zum Michelsberg. Während der Eisenzeit und des Mittelalters wurde auf dem Bergplateau Erz geschürft, an den Hängen des Berges baute man Wein an.

 

Nun Richtung Westen gehend, lohnt sich ein Besuch des 1846 in Betrieb genommenen alten Kanalhafens mit seinem in Mauern gefassten Kanaltrog.

Klösterl bei Kelheim
Klösterl bei Kelheim

In den Felsschluchten unweit des Donaudurchbruches liegt kurz vor der Weltenburger Enge die Einsiedelei Klösterl im Traunthal. Das einstige Franziskanerkloster wurde 1454 durch den Eremit Antonius von Siegenburg gegründet. Die Besonderheit der von einer Mauer umschlossenen Anlage ist die in den Felsen eingebaute Klosterkirche, die in der heutigen Form aus dem Jahr 1603 stammt. Zudem befinden sich auf dem Areal die Nikolauskapelle und im Felsen eine Terrakottafigur des heiligen Nikolaus sowie zwei Höhlen.

Das von Laubwäldern bewachsenen Felswänden mit Kalkstein-Formationen des Jura begrenzte Naturschutzgebiet Donaudurchbruch und Weltenburger Enge (5,5 km lang und ca. 400 m breit) entstand vor etwa 150 Millionen Jahren bei einer Ablagerung im Oberjura an der Stelle eines subtropischen Meeres. Zwischen der „Stillen Wand“ und der „Langen Wand“ verengt sich der Donaustrom hier bis auf 110 m.

 

Kloster Weltenburg
Kloster Weltenburg

Ein Wanderweg führt vom Klösterl weiter zu der um 600 am Eingang des Donaudurchbruches entstandenen Benediktinerabtei Weltenburg mit seiner barocken Kirche. Weltenburg ist die älteste klösterliche Niederlassung in Bayern. Der über der Klosteranlage aufragende Frauenberg war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Iro-schottische Wandermönche gründeten das Kloster als Ausgangspunkt für ihre christliche Mission in Bayern. Im 8.Jh. übernahmen die Weltenburger Mönche die Ordensregeln des heiligen Benedikt. Einfälle der Ungarn führten in der ersten Hälfte des 10.Jhs. zur Unterstellung der nun verlassenen Klostergüter unter die Verwaltung des Bischofs von Regensburg, der sie in der Folgezeit mit Benediktinermönchen aus St. Emmeram bevölkerte.

Abt Bernold gelang es am Anfang des 12.Jhs., den Klosterbesitz durch zahlreiche Schenkungen zu vergrößern. Die wirtschaftliche Lage verbesserte sich jedoch erst im 14.Jh. und 15.Jh., bevor Plünderungen im Schmalkaldischen Krieg und im Dreißigjährigen Krieg diese Gewinne wieder zunichtemachten.

Unter Abt Maurus Bächel begann im ersten Viertel des 18.Jhs. der Neubau von Klostergebäuden und Kirche. Wenig später litt das Kloster erneut unter einer durch den Österreichischen Erbfolgekrieg eingeschleppten Krankheit und hohen Kriegsabgaben. Erst Abt Benedikt Werner erreichte wieder eine, wenn auch durch die Koalitionskriege gebremste, wirtschaftliche Stabilisierung des Klosters. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 (unter anderem Säkularisierung: Trennung von Staat und Kirche, Auflösung der geistlichen Herrschaften und Übergabe in weltlichen Besitz) wurde das Kloster aufgehoben und durch den bayerischen Landesherrn in Besitz genommen. König Ludwig I. von Bayern ließ es jedoch 1842 wiedererrichten. Seit 1913 existiert die Abtei Weltenburg wieder.

Sehenswert sind die den Klosterhof einfassenden Gebäude. Beherrscht wird der Hof durch die in der ersten Hälfte des 18.Jhs. durch die Gebrüder Asam als überkuppelter Zentralbau erbaute Abteikirche im barocken Stil mit Rokoko-Elementen und einem erhaltenen Turm der Vorgängerkirche. Den Klosterhof verlassend gelangt man zu der idyllisch inmitten grüner Wiesen am Ende eines Kreuzweges gelegenen, um 700 geweihten Frauenbergkapelle, die ihr heutiges Erscheinungsbild um 1713 erhielt.

Seit 1050 besteht in Weltenburg die Klosterbrauerei, deren „Barock Dunkel“ mehrfach den „World Beer Award“ als bestes Dunkelbier der Welt gewonnen hat.

 

Befreiungshalle, Kelheim
Befreiungshalle, Kelheim

Auf dem Michelsberg nordöstlich der Altstadt – dem einstigen Standort der um 120 v. Chr. angelegten eisenzeitlich-keltischen Höhensiedlung Alkimoennis – ließ König Ludwig I. von Bayern in der Mitte des 19.Jhs. nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg und den Napoleonischen Kriegen vor dem Hintergrund des Strebens nach nationaler Einheit auf dem Michelsberg die Befreiungshalle errichten. Der sich an antike und christliche Zentralbauten anlehnende und über klassizistische Elemente verfügende überkuppelte Rundbau erinnert an die siegreichen Schlachten der alliierten Mächte gegen das napoleonische Frankreich zwischen 1813 bis 1815 (vor allem an die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 und die Schlacht bei Waterloo 1815). Seine Fassade wird durch 18 Strebepfeiler mit Kolossalstatuen als Allegorien der deutschen „Volksstämme“ und Regionen gegliedert. Von hier ist ein einzigartiger Panoramablick garantiert.