Wartburg - Eisenach

Auf der Wartburg, 99817 Eisenach

 

Auf einem Felsgrat am Ende des Thüringer Waldes gelegene, große und imposante Burganlage als Herrschaftszentrum der ludowingischen und  wettinischen  Landgrafen von Thüringen  vom 11.Jh. bis zum 13.Jh..

Wartburg, Blick auf Wehrgänge, Palas und Bergfried, Eisenach
Wartburg, Blick auf Wehrgänge, Palas und Bergfried, Eisenach



Wartburg, Eisenach
Wartburg, Eisenach

Geschichte

 

Die Wartburg wurde um 1067/1073 durch den ludowingischen Grafen Ludwig den Springer gegründet und 1080 zum ersten Mal erwähnt. Nachdem Graf Ludwig I. 1131 durch den römisch-deutschen König Lothar III. von Supplinburg in den Landgrafenstand erhoben worden war, führte die Annährung an das sich um die Mitte des 12.Jhs. als Herrscherdynastie etablierende staufische Kaiserhaus zu einer Machtzunahme der ludowingischen Dynastie. Unter Landgraf Ludwig II. entstanden in der Mitte des 12.Jhs. der Palas und auch die östliche Ringmauer und Teile des Torhauses stammen aus dieser Zeit.

Als Aufenthaltsort der Dichter Walther von der Vogelweide (verfasste unter anderem Minnelieder und Sangspruchdichtung), Wolfram von Eschenbach (vor allem für seinen Artusroman Parzival bekannt) und Heinrich von Veldeke (Minnesänger und Verfasser des in der Antike spielenden Eneasroman) war die Burg besonders unter Landgraf Hermann I. ein Zentrum der hochmittelalterlichen höfischen Kultur und Literatur. Zudem wuchs hier die ungarische Königstochter und spätere Heilige Elisabeth von Thüringen als Frau des Landgrafen Ludwig IV. am Anfang des 13.Jhs. auf.

Nach dem Aussterben der Ludowinger mit Heinrich Raspe IV. 1246 und dem folgenden thüringischen Erbfolgekrieg fiel die Burg an das mächtige Adelsgeschlecht der Wettiner und Thüringen an den von ihnen gestellten Markgrafen von Meißen (Heinrich III., Neffe Heinrich Raspes). Bei einem Brand nach einem Blitzschlag erlitt die Burg 1318 starke Beschädigungen. Landgraf Friedrich I. ließ im ersten Viertel des 14.Jhs. noch einmal umfangreiche Baumaßnahmen durchführen. Im 15.Jh. verlor die Burg an Bedeutung und diente nur mehr als Nebenresidenz.

In der Neuzeit fungierte die Wartburg im Jahr 1521/1522 als Zufluchtsort Martin Luthers nach der Ächtung durch den Papst und der Bannung durch den Kaiser. Luther übersetzte hier in der heutigen „Lutherstube“ das Neue Testament ins Deutsche. Auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte die Burg mehrfach. Im Jahr 1817 fand auf der Burg das Wartburgfest der studentischen Burschenschaften mit dem Ziel der deutschen Einheit im Sinne des Nationalismus statt. Die Bedeutung dieser historischen Ereignisse und Persönlichkeiten sollte man sich bei der Besichtigung des Burggeländes bewusst machen, denn dann erscheint die Wartburg gleich noch einmal viel beeindruckender.

Zwischen 1838 und 1890 erfolgte die Wiederherstellung der Burg im Stil des Historismus (Nachahmung vergangener Architekturepochen) durch die Großherzöge von Sachsen-Weimar-Eisenach auf Initiative Goethes. Weitere Baumaßnahmen gab es in den 1950er Jahren nach Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg. 1999 wurde die Wartburg in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

 

Wartburg, Vorburg mit Torhaus, Ritterhaus und Vogtei
Wartburg, Vorburg mit Torhaus, Ritterhaus und Vogtei

Besichtigung

 

Bei einem Besuch auf der Wartburg lassen sich auf einem Rundgang sehr gut die vier zeitlichen Baustufen (Romanik, Gotik, Renaissance und Historismus) der Höhen- und Abschnittsburg durchwandern. Die einzelnen Gebäude wurden aus Rotliegendem Gestein mit sandsteinernen Hervorhebungen sowie aus Fachwerk errichtet.

Nach dem Aufstieg kommt man zuerst zum Gasthof, der in der Mitte des 19.Jhs. und in den 1910er Jahre gebaut wurde. Über eine Zugbrücke erreicht man den aus der Zeit um 1200 stammenden Torbogen des spätgotischen und romanischen sowie insgesamt dreitorigen Torhauses, der in die schmale Vorburg führt. Hier befinden sich das Ritterhaus, die Vogtei mit dem Nürnberger Erker aus dem 15.Jh. (und der „Lutherstube“) sowie entlang der West- und Ostseite auf die (auf das 12.Jh. zurückgehenden) Ringmauern aufgesetzte Wehrgänge aus dem späten 15.Jh.. Die Bauten sind alle in Fachwerk errichtet und umschließen idyllisch die eher kleine Vorburg.

Wartburg, Hofburg mit Bergfried und Palas
Wartburg, Hofburg mit Bergfried und Palas

Von der Vorburg durch einen aus der neuen Kemenate (die sich auf den Fundamenten eines älteren Bauwerkes erhebt), der neoromanischen Torhalle aus dem 1860er Jahren und der Dirnitz aus der Mitte des 19.Jhs. bestehenden Gebäudekomplex in die weitläufige Hauptburg (Hofburg) weiter gehend gelangt man zum Zentrum der Wartburg, dem spätromanischen Palas aus der Mitte des 12.Jhs.. Der als Wohn- und Repräsentationsgebäude dienende dreigeschossige Saalbau wurde ursprünglich im byzantinischen Stil erbaut und ist durch Arkadengänge mit teilweise rundbogig umfassten Fenstersäulen (mit ornamentalen Kapitellen) in den unteren Geschossen sowie Rundbogenfriese an den Fassaden der oberen Stockwerke geprägt. Im Inneren liegen im Erdgeschoss die Rüstkammer, das Speisezimmer als eigentlicher Wohnraum der Landgrafen und die mit Glasmosaiken im neobyzantinischen Stil verzierte Kemenate der heiligen Elisabeth. Im zweiten Stock erstrecken sich das mit Fresken von Moritz von Schwind ausgestattete Landgrafenzimmer, der als Hauptsaal fungierende Sängersaal und die in die Burgkapelle führende Elisabethgalerie. Im dritten Stock wurde ein Rittersaal eingerichtet. Die Räume sind entweder von gewölbten oder von flachen Decken überspannt, die von reich verzierten Säulen getragen werden.

Wartburg, Südturm
Wartburg, Südturm

Neben dem Palas befinden sich im Norden der die Fundamente eines mittelalterlichen Vorgängers integrierende quadratische Bergfried (zeitweilig bewohn-barer Haupt-, Wach- und Wehrturm) und im Süden das neoromanische Ritterbad, die im Stil des Historismus im 19.Jh. wieder errichtet bzw. neu gebaut wurden.

In der Nähe einer großen Zisterne steht der nach 1318 entstandene und 1813 wieder aufgebaute hochmittelalterliche Südturm, der (für 50 Cent) bestiegen werden kann. Oben angekommen bietet sich vom Turm aus ein wunderschöner Ausblick auf die Gebäude der Hauptburg und das größtenteils dicht bewaldete Umland. Neben dem Turm ist schließlich noch der an der Stelle des einstigen Marstalls in den 1870er Jahren erbaute fachwerkene Gadem zu nennen, der heute das Burgcafé beherbergt.

Wartburg, Ringmauern und Wehrgänge
Wartburg, Ringmauern und Wehrgänge

Im Anschluss an die Besichtigung der Hauptburg empfiehlt sich ein Rundgang entlang der Ringmauern. Hier wurden historische Baugeräte nach-gebildet, die einen anschaulichen Eindruck vom Burgenbau im Mittelalter vermitteln.

 

Wartburg, weiße Tauben

Der Besuch des überaus beeindruckenden Burggeländes, bei dem man in einer einzigartigen historischen Atmosphäre in frühere Jahrhunderte, das Hochmittelalter und das 19.Jh., zurück reist, lohnt sich sehr. Während des Spazierganges über das Areal der Wartburg kann man nicht nur romanische und historistische Gebäude bewundern, sondern entdeckt auch immer wieder kleine Details wie Brunnenverzierungen, hübsche Gärtchen oder an Erkern sitzende weiße Tauben. Ein gut sortierter Shop lädt im Anschluss an die Burgbesichtigung zum Stöbern und Einkaufen ein.

Wartburg, Palas
Wartburg, Palas

Die auch heute noch ein Stück weit spürbare Vergangenheit und die bedeutsamen historischen Ereignisse verleihen der Wartburg ein ganz besonderes Flair und machen sie zu einer der schönsten Burgen Deutschlands. Die Wartburg bietet einfach für jeden etwas: Bausubstanz aus verschiedenen Epochen für Architektur-interessierte, geschichtliche Meilensteine für historisch Begeisterte, höfische Dichter und Goethe für Literaturfans sowie in ihrer Gesamtheit ein Must-see für Burgenliebhaber.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig zu den Öffnungszeiten möglich.

Es muss Eintritt gezahlt werden.

www.wartburg-eisenach.de