Burg Perchtoldsdorf

Marktplatz, 2380 Perchtoldsdorf

 

In einen aus Martinikapelle, Pfarrkirche und Wehrturm bestehenden Gebäudekomplex integrierte und seit dem frühen 11.Jh. bestehende  Burg einer Ministerialenfamilie der österreichischen Herzöge.

Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Herzogsburg, Wehrturm und Martinikapelle
Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Herzogsburg, Wehrturm und Martinikapelle



Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Wohngebäude der Herzogsburg
Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Wohngebäude der Herzogsburg

Geschichte

 

Nach dem Sieg des bayerischen Herzogs Heinrich II. des Zänkers und Markgraf Leopolds I. gegen die Ungarn (991) und der Eroberung des Wiener Raumes im frühen 11.Jh. wurde (zusammen mit anderen Befestigungen an der südlichen Abdachung des Wienerwaldes) durch die im Dienst der Babenberger stehenden Landherren von Perchtoldsdorf eine von einem Wall, Graben, Palisadenzaun und einigen Holzgebäuden umgebene steinerne Turmburg am heutigen Marktplatz errichtet. Am Ende des 12.Jhs. ersetzte man (unter Heinrich II. von Perchtoldsdorf) die Holzbauten durch gemauerte Gebäude und legte eine Vorburg an. Auch die Erbauung des dreigeschossigen Bergfriedes (zeitweilig bewohnbarer Haupt-, Wach- und Wehrturm), des heutigen Südturmes, fällt in diese Zeit.

Nach der Beteiligung Ottos I. von Perchtoldsdorf am Aufstand des Adels gegen den Landesfürst (1236) zerstörte Herzog Friedrich II. die Burg. In der zweiten Hälfte des 13.Jhs. wurde die Kapelle im zweiten Geschoss der Burg zur Pfarrkirche erhoben. Otto II. von Perchtoldsdorf ließ ab der Mitte des 13.Jhs. die alte Stammburg wieder aufbauen und vergrößerte durch die Errichtung einer von einem äußeren Palisadenring umschlossenen inneren Ringmauer die Befestigungsanlagen. Im Anschluss an den erneuerten Bergfried entstanden ein Palas (Wohn- und Repräsentationsgebäude), nördlich davon ein dreigeschossiger Wohntrakt und ein Torturm mit Zugbrücke.

Da sich auch Otto III. von Perchtoldsdorf gegen Herzog Albrecht I. auflehnte, brannte der Landesfürst die Burg (1290) nieder.

Nach dem Aussterben der Herren von Perchtoldsdorf an der Wende zum 14.Jh. verpfändete Herzog Friedrich der Schöne die Burg. Herzog Albrecht II. baute sie bis zur Mitte des 14.Jhs. im gotischen Stil aus. Von nun an entwickelte sich die Burg zu einer Nebenresidenz der Landesfürsten und diente als Witwensitz habsburgischer Herzoginnen, was zu einem wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes führte. Zwischen 1450 und 1521 wurde der spätgotische Wehrturm in einem System von Mauern, Gräben und kleinen Türmen rund um die Pfarrkirche und die Burg errichtet, das Bollwerk der Festung und bis heute das Wahrzeichen des Ortes.

Im Bruderzwist zwischen Kaiser Friedrich III. und Herzog Albrecht VI. sowie bei Einfällen der Ungarn erlitt die Burg wieder starke Beschädigungen und wurde schließlich im späten 15.Jh. durch Erzherzog Maximilian I. verkauft. Die Bürger von Perchtoldsdorf zogen aufgrund der Bedrohung durch die Osmanen die Ruinen in die Befestigung des Marktes mit ein. Die Außenmauern wurden erneuert, die Türme restauriert, ein die äußeren Palisaden ersetzender Mauerring gebaut und hölzerne Wehrgänge an der Innenseite der um die Festung verlaufenden Ringmauer angelegt.

Während der zweiten Wiener Türkenbelagerung (1683) zerstörten die Osmanen die Burg und sie war von nun an dem Verfall preisgegeben. In der Mitte des 20.Jhs. wurde sie restauriert und in eine kulturelle Veranstaltungsstätte umgewandelt.

 

Martinikirche, Ruinen der Herzogsburg und Pfarrkirche
Martinikirche, Ruinen der Herzogsburg und Pfarrkirche

Besichtigung

 

Bei einem Rundgang um die aus den alten Burgmauern, der Kirche und dem Wehrturm bestehende Anlage lässt sich der frühere Aufbau des Geländes noch erkennen. In dessen unterer Hälfte befinden sich die Martinikapelle (ein spätgotischer Karner aus dem ersten Drittel des 16.Jhs.), die Pfarrkirche (der Sockel der ersten Turmburg ist noch im Unterbau zu sehen) und der mächtige Wehrturm, der größte in Österreich.

Dahinter liegen die aus drei miteinander verbundenen Bauteilen zusammengesetzten ehemaligen Wohngebäude, die nur mehr teilweise erhalten sind und unter Verwendung moderner Bausubstanzen und moderner Architektur restauriert wurden. Den Mittelpunkt bildet hier der Palas mit einer aus dem Keller und dem Schartengeschoss zusammengefassten Rüstkammer im Erdgeschoss und einem großen Saal im ersten Stock. Im Süden schließt sich an den Palas der Südturm (der an seiner Ostseite noch über ein romanisches Fenster verfügt) an, im Norden des Saalbaus steht der Wohntrakt.

In der oberen Hälfte des Areals erstreckt sich ein großer Hof, der früher von einer Mauer begrenzt und durch zwei Türme bewehrt war. Am Rand des Hofes befindet sich ein aus einem mittelalterlichen Gefängnisturm hervorgegangener Mauerturm (Hungerturm). Heute wird der Burghof als Zuschauerraum des im Sommer stattfindenden Freilufttheaters genutzt.

 

Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Wohngebäude der Herzogsburg
Burg Perchtoldsdorf, Ruinen der Wohngebäude der Herzogsburg

Die alte Herzogsburg, die Kirche und der Wehrturm sind das reizvolle Zentrum eines idyllischen, von einigen Weinanbaugebieten umgebenen Ortes. Der historische Marktplatz wird ganz von der imposanten Kombination aus Wehrbau und Kirche beherrscht. Das ursprüngliche Aussehen der Burg lässt sich zwar nur mehr erahnen, dennoch sind die modern überbauten Ruinen und der Wehrturm ebenso wie der Marktplatz sehenswert und man kann bei einem Gang entlang der Mauern versuchen, sich die vergangene Pracht der Anlage vorzustellen. Die Besichtigung der Stadtburg ist daher sowohl für Burgenfans als auch für Liebhaber mittelalterlicher Kirchen zu empfehlen.


 

Die Außenbesichtigung ist ganzjährig und jederzeit möglich.

www.burg-perchtoldsdorf.at


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