Mutzenbecher villa im nienDorfer gehege - hamburg-Eimsbüttel

Bondenwald 110a, 22453 Hamburg

 

Mutzenbecher Villa im Niendorfer Gehege, Hamburg
Mutzenbecher Villa im Niendorfer Gehege, Hamburg

Geschichte

 

Das heutige Niendorfer Gehege, ein von der Kollau umflossenes Buchenmischwald- und Naherholungsgebiet mit Wiesen- und Grünflächen im Norden Hamburgs, befand sich in der frühen Neuzeit im südlichen Teil in Besitz der Herrschaft Pinneberg.

Bezeichnet als Grafen- oder Königsgehege, diente es der Brennholzgewinnung und wurde für die Schweinemast genutzt.

Um 1789 umfasste das Waldgebiet circa 35 Hektar in den Gemeinden Niendorf, Eidelstedt, Lokstedt und Stellingen. Im Nordosten schloss sich der ursprünglich als Allmende genutzte Niendorfer Bauernwald an. Bis in das 20. Jahrhundert hinein galt hier die „Bondenholz-Klausel“, welche es verbot, den Wald abzuholzen oder aufzuforsten.

 

Nachdem die Flächen des Bondenwaldes im ausgehenden 19. Jahrhundert in den Privatbesitz wohlhabender Hamburger übergegangen waren, entwickelte sich das ländliche Niendorf zu einer beliebten Sommerfrische. Parkanlagen und und repräsentative Villen entstanden. Zu diesen gehörte auch die Mutzenbecher Villa. Errichtet wurde sie 1910 durch den Direktor des Hamburger Versicherungskonzerns Albingia, Hermann Franz Matthias Mutzenbecher, nach Plänen des Architekten Erich Elingius.

Mit dem Zweiten Weltkrieg setzte ein Niedergang des Waldgebietes ein, das nun zum Abbau von Brennholz genutzt wurde. Die Stadt Hamburg begann nach 1945 mit der Aufforstung des Waldbestands.

Seit 1955 ist das Niendorfer Gehege ein Teil des Forstreviers Klövensteen und Hamburger Stadtwald. Die Mutzenbecher Villa, bisher noch von einem Mieter bewohnt, wird ab 2021 durch den Verein Werte erleben e.V. saniert und soll als Bildungs- und Begegnungsstätte genutzt werden. Geplant ist der Einzug des Forums Kollau mit dem Stadtteilarchiv und des Kindergartens Waldforscher.

 

Besichtigung

Die Mutzenbecher Villa ist ein zweigeschossiger Backsteinbau, gehalten im gründerzeitlichen Landhausstil nach englischem Vorbild. Auffallend ist die detailreiche bauliche Austattung des auf L-förmigem Grundriss stehenden, über mehrere Trakte, An- und Vorbauten verfügenden Schlösschens. Besonders erscheinungsbildprägend wirkt die differenzierte Dachlandlandschaft, reich an weiten Dachüberständen und -formen. Sprossenfenster mit dekorativen Gesimsausbildungen, pilasterartige Fensterrahmen mit konsolengestützen Brüstungen und Freigespärre an den Dachgiebeln verleihen der Villa ein elegantes Aussehen.

Die Innenräume sind um eine zentrale Eingangshalle gruppiert und eine kleinteilig gestaltete Veranda lud einst zum Verweilen ein. Der ehemals große Garten ist heute in Wald aufgegangen.

 

Niendorfer Gehege, Dammwildgehege
Niedorfer Gehege, Dammwildgehege

Das Niendorfer Gehege selbst bietet zahlreiche Freizeit- und Sportmöglichkeiten.

Rund um einen Waldspielplatz mit einem riesigen Kletterhaus aus Baumstämmen im Zentrum), das umgrünte Waldcafé Corell und ein Dammwildgehege auf der großen Waldlichtung erstreckt sich ein 15 Kilometer umfassendes Wegenetz, das zum Spazierengehen und Joggen einlädt. Kinder haben die Möglichkeit, das Gelände auf dem Ponyrücken zu erkunden.

 

Unweit des Geheges befindet sich die Niendorfer Kirche am Markt (evangelisch-lutherisch). Der 1770 aus Backstein errichtete, achteckige Zentralbau im barocken Stil entstand vor dem Hintergrund des Streits um die Hohheitsrechte im Bereich des heutigen Niendorf zwischen der Reichs- und Hansestadt Hamburg und dem Königreich Dänemark, das das Herzogtum Holstein verwaltete. Im Gottorper Vergleich war Niendorf 1768/1769 von der benachbarten Kirchengemeinde Eppendorf und dessen Stammkirche St. Johannis getrennt worden. Der Bau einer neuen, eigenen Kirche wurde notwenig. Auf Initiative König Christians VII. von Dänemark wurde die Marktkirche mit großen, doppelten Bogenfenstern und einem kuppelartigen Mansarddach mit laternenförmigem Reiter errichtet. Der in Rosa- und Grautönen sowie Ocker gehaltene Innenraum wird von einer hölzernen Empore umlaufen. Auf dem von der Orgel bekrönten Kanzelalter sind die Hauptelemente einer evangelischen Kirche, Sakrament, Wort und Musik, dargestellt. Um die Kirche erstreckt sich der Alte Niendorfer Friedhof mit altem Baumbestand, Familiengruften und einem Mausoleum im Stil der Neorenaissance.

 

 

Märchenhaft und etwas unheimlich zugleich und in jedem Fall malerisch wirkt sie, die Mutzenbecher Villa. Nun wird sie aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und damit vielleicht, wie um 1900, wieder ein Teil des geselligen Lebens und der städtischen Sommerfrische des 21. Jahrhunderts.


 

Die Außenbesichtigung ist ganzjährig und jederzeit möglich.

 

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