Schloss Gottorf - Schleswig

Am Gottorfer Damm, 24837 Schleswig

 

Innerhalb von achthundert Jahren mehrmals umgestaltete und erweiterte, vierflügelige repräsentative Schlossanlage der Herzöge von Schleswig-Holstein mit Elementen im Stil der Renaissance und des Barock und heutiger Gestalt aus dem späten 17.Jh. und 18.Jh..

Schloss Gottorf, Schleswig
Schloss Gottorf, Schleswig



 

Geschichte

 

Die Anfänge von Schloss Gottorf liegen in einer Bischofsburg, die 1161 zur Überwachung des Landweges auf der Schlossinsel errichtet und 1268 nach einem Tausch unter Herzog Erich I. von Schleswig zur Herzogsburg und ab 1460 auch Residenz der dänischen Könige wurde (das Herzogtum Schleswig war ein Lehen der dänischen Krone und Holstein gehörte als Reichslehen zum Heiligen Römischen Reich. Nachdem der dänische König Christian I. 1460 zum Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein gewählt worden war, legte man die Unteilbarkeit Schleswigs und Holsteins fest und Christian richtete in Gottorf seine Residenz ein).

Ein Brand am Ende des 15.Jhs. führte zu einer starken Veränderung des Schlosses durch König Friedrich I. von Dänemark und Norwegen. Nach der Aufteilung des Gottorfer Herrschaftsbereiches im Jahr 1544 diente die ehemals königliche Residenz ab Herzog Adolf I. als Hauptsitz der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf. Nachdem das Schloss in der Mitte des 16.Jhs. erneut von einem Brand getroffen worden war, erweiterte man es nun zu einer vierflügeligen Festungsanlage und baute im späten 16.Jh. die Befestigungen aus. Unter Herzog Friedrich III. entwickelte sich Gottorf in der ersten Hälfte des 17.Jhs. zu einem bedeutsamen Fürstenhof und kulturellen Zentrum Nordeuropas. Das Haus Gottorf knüpfte zahlreiche Ehen mit anderen nordeuropäischen Adelshäusern. Die im 17.Jh. immer enger werdenden Verbindungen des Herzogtums zu Schweden und Gottorfs Forderungen nach Souveränität führten zu einer Verschlechterung der Beziehung zu Dänemark. Unter Herzog Friedrich IV. entstand zwischen 1697 und 1703 als Ausdruck des engen Verhältnisses zum schwedischen Königreich die heutige Gestalt des Schlossgebäudes. Den weißen Anstrich bekam das Schloss allerdings erst gegen Ende des 18.Jhs..

Nach der Niederlage Gottorfs im Großen Nordischen Krieg um die Vorherrschaft im Ostseeraum (vor allem zwischen Russland und Schweden) besetzte Dänemark 1713 das Herzogtum Schleswig. Das Schloss wurde von nun an bis 1848 durch dänische Statthalter verwaltet. Nach dem Krieg zwischen Dänemark und den Herzogtümern Schleswig und Holstein 1848 diente das Schloss erst als dänische und nach der Niederlage Dänemarks gegen Preußen und Österreich im Jahr 1864 als preußische Kaserne. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Auffanglager für Flüchtlinge genutzt. Seit der Mitte des 20.Jhs. befindet sich im Schloss das interessante Schleswig-Holsteinische Landesmuseum für Archäologie sowie Kunst- und Kulturgeschichte.

 

Schloss Gottorf, Blick in den Innenhof
Schloss Gottorf, Blick in den Innenhof

Besichtigung

 

Das große weiß gekalkte Schloss erreicht man von Süden aus über einen Damm. Bei der Anfahrt bietet sich ein schöner Blick auf den dreigeschossigen barocken Südflügel mit seinem turmartigen Mittelrisalit mit dem Eingangsportal, der um die Wende zum 18.Jh. entstand und mit symmetrischen Fensterreihen versehen ist. Hinter dem imposanten Südflügel dehnt sich eine vierflügelige Renaissanceanlage um einen rechteckigen Innenhof aus, welche nach dem Vorbild der Bischofsburg aus dem 12.Jh. angelegt wurde.

Von der mittelalterlichen Burg selbst sind nur wenige Gebäudeteile erhalten. Die Außenwand des Ostflügels und die den Nordflügel durchlaufende Trennwand bilden den Verlauf der Ringmauern nach und unter dem Innenhof des Schlosses befindet sich wahrscheinlich der Kern der mittelalterlichen Burg. Neben dem Südflügel liegen der mit Sützpfeilern an der Wand ausgestattete Westflügel sowie ein in der Mitte des 16.Jhs. errichteter, ursprünglich freistehender Turm. Der am Ende des 15.Jhs. erbaute Westflügel war wohl der erste Palastbau auf ehemals dänischem Reichsgebiet im Stil der frühen Renaissance. Daran schließen sich der sehr gleichmäßig gestaltete Nordflügel und der kleinere Ostflügel mit einem Treppenturm an, die beide aus der Mitte des 16.Jhs. stammen.

Schloss Gottorf, Gotische Halle
Schloss Gottorf, Gotische Halle

In dem im Schloss untergebrachten Museum für Kunst und Kultur-geschichte kann man Kunstschätze vom Mittelalter bis zur Gegenwart besichtigen. In der Gotischen Halle von 1490 sind mittelalterliche Sakralkunst und eine Gemäldesammlung der Renaissance zu sehen. Ebenfalls im Renaissancestil ist die Schlosskirche gehalten, welche über eine sehenswerte vertäfelte Loge verfügt. Der festliche Hirschsaal wartet mit Jagdmotiven an den Wänden auf, der Plöner Saal repräsentiert die Kunst des 18.Jhs. und die Galerie der klassischen Moderne zeigt zeitgenössische Werke.

Im archäologischen Landesmuseum stellen die Moorleichen von Windeby ein Highlight dar. Daneben werden zahlreiche Fundstücke der nordeuropäischen Vor- und Frühgeschichte sowie des Mittelalters ausgestellt.

Anschauen sollte man sich neben dem Museum auch den im 17.Jh. angelegten Terrassengarten mit dem Globenhaus im Mittelpunkt. Der Park gilt als erster Barockgarten nördlich der Alpen und kombiniert Elemente italienischer Renaissancegärten mit barocker Gartenkunst.

 

Bei dem Besuch des Schlosses, des Museums und der Gärten kommt jeder Geschichts-, Kunst- und Archäologieinteressierte auf seine Kosten und kann ein wenig in die abwechslungsreiche Geschichte Schleswig-Holsteins eintauchen. Das imposante weiße Schlossgebäude strahlt eine repräsentative Atmosphäre aus und zeugt von der langen Vergangenheit des Herzogtums und seiner bedeutsamen Stellung im nordeuropäischen Machtgefüge. Die Museen bestechen mit einer Vielfalt von Kunstwerken und Fundstücken von der Steinzeit bis zur Gegenwart. Schließlich besitzt Schloss Gottorf noch einen sehr guten Museumsshop, in dem man weiterführende Literatur und andere Souvenirs erwerben kann.

 

Weitere Residenzen der Herzöge von Schleswig-Holstein: Schloss Glücksburg, Schloss vor Husum.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig zu den Öffnungszeiten möglich.

Für das Museum muss Eintritt gezahlt werden.

www.schloss-gottorf.de


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