heidelberger schloss

Neue Schloßstraße 1, 69117 Heidelberg

 

Ruine des aus einer im 13.Jh. errichteten Burg am Nordhang des Königstuhles oberhalb der Verengung des Neckartales hervorgegangenen und zur Residenz der Kurfürsten von der Pfalz ausgebauten Heidelberger Schlosses aus rotem Sandstein mit fünf Flankierungstürmen.

Heidelberg, Schloss und Altstadt
Heidelberg, Schloss und Altstadt

Geschichte

 

Die Stadt Heidelberg wurde 1156 durch den römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa nach der Ernennung des Halbbruders Konrad der Staufer zum Pfalzgrafen bei Rhein gegründet. 1225 erhielt der seit 1214 wittelsbachische Pfalzgraf bei Rhein das sich vormals im Besitz von Worms befindliche Heidelberg als Lehen. Nachdem in der ersten Hälfte des 13.Jhs. eine Burg auf dem Jettenbühl errichtet worden war, begann man um 1220 mit einer planmäßigen Anlegung der Stadt.

Heidelberger Schloss, Bibliotheksbau, Ruprechtsbau und Tor
Heidelberger Schloss, Bibliotheksbau, Ruprechtsbau und Tor

Unter Kurfürst/König Ruprecht III./I. entstand nach 1400 der Ruprechtsbau. Ab der Mitte 15.Jh. wurde die Burg zu einer Festung mit Geschütztürmen und einer äußeren Ringmauer ausgebaut. Kurfürst Ludwig V. ließ sie in der ersten Hälfte des 16.Jhs. nach Westen hin erweitern.

Im 16.Jh. erfolgte mit dem Ottheinrichsbau eine Umgestaltung der mittelalterlichen Burg zur neuzeitlichen Residenz im Stil der Renaissance. Unter Kurfürst Friedrich IV. wurde an der Wende zum 17.Jh. der Heinrichbau errichtet und Friedrich V. begann nach der Fertigstellung des frühbarocken englischen Baus und des Elisabethentores mit der Anlegung des Gartens Hortus Palatinus.

1685 erlosch mit dem Tod Kurfürst Karls II. die Linie Pfalz-Simmern des Hauses Wittelsbach und die Kurfürstenwürde ging auf die katholische Nebenlinie Pfalz-Neuburg über. Erbansprüche König Ludwigs XIV. von Frankreich (über seine Schwägerin Elisabeth Charlotte/Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orléans) führten zum Pfälzischen Erbfolgekrieg, im Zuge dessen das Schloss Ende des 17.Jhs. durch französische Truppen zerstört und nur teilweise wieder restauriert wurde. Nach der Verlegung der kurfürstlichen Residenz unter Karl Theodor nach Mannheim und einem Brand 1764 gab man das Schloss ganz auf und nutze die Ruine als Steinbruch (für das neue Schwetzinger Sommerschloss).

Mit der Romantik kam es im späten 18.Jh. zu einer Wiederentdeckung des als Sinnbild für Vergänglichkeit und angesichts der napoleonischen Kriege patriotisches Monument betrachteten Schlosses. Der im deutschen Exil lebende französische Graf und Kupferstecher Charles de Graimberg setzte sich für den Erhalt der Ruinen ein. 1883 wurde ein „Schloßbaubüro“ eingerichtet und 1890 entschied man sich für die Erhaltung des gegenwärtigen Zustandes des Schlosses. Nur der Friedrichsbau wurde im Stil des Historismus wieder hergestellt. Heute befindet sich die Schlossruine im Besitz des Landes und wird durch die Staatlichen Schlösser und Garten Baden-Württemberg betreut.

 

Besichtigung

 

Der Rundgang durch die Ruinen beginnt an der Südseite des Schlosses an dem hinter der den Burggraben überspannenden steinernen Brücke stehendem Haupttor aus der ersten Hälfte des 16.Jhs. Durch das in den Turm mit seiner barocken Haube und schmückenden Rittergestalten, den „Torriesen“, an der Frontseite eingelassene rundbogige Tor von 1718 erreicht man, den ehemaligen Gefängnisturm Seltenleer in der Südwestecke passierend, den Vorhof.

Heidelberger Schloss, Bibliotheksbau, Ruprechtsbau und Tor
Heidelberger Schloss, Bibliotheksbau, Ruprechtsbau und Tor

In der Südwestecke des Schlossgeländes liegt der im frühen 15.Jh. unter Kurfürst Ruprecht III./dem römisch-deutschen König Ruprecht I. errichtete und 1534 um ein steinernes Obergeschoss erweiterte Ruprechtsbau mit der Statue Ruprechts III. an der ungegliederten Fassade. Er verfügt über einen kreuzrippengewölbten Rittersaal und beherbergt eine Ausstellung zur Schlossgeschichte. An den Ruprechtsbau schließt der unter Kurfürst Ludwig V. um 1520 entstandene spätgotische Bibliotheksbau mit wuchtigen Erdgeschossräumen und einer gewölbten Tafelstube im ersten Stock sowie einem hofseitigen Erker an. An der Westseite des Hofes befindet sich der Frauenzimmerbau, von dem nur das Erdgeschoss erhalten ist, aus der Zeit Kurfürst Ludwigs V. von um 1510. Er besaß einst eine für Tafelzeremonien große Hofstube (Königssaal) mit Eckerkern auf allen vier Seiten. Das Parterre wurde in den 1930er Jahren als Festsaal der Stadt Heidelberg wieder errichtet.

Heidelberger Schloss, Großes Fass
Heidelberger Schloss, Großes Fass

Zwischen dem Dicken Turm und dem Fassbau steht der nach der englischen Prinzessin und Ehefrau Kurfürst Friedrichs V., Elizabeth Stuart, benannte trapezförmige Englische Bau aus den 1610er Jahren.

Der ursprünglich fast 40m hohe und im oberen Teil zu einem Theater umgestaltete Dicke Turm daneben in der Nordwestecke stammt aus der Zeit Kurfürst Ludwigs V. von um 1533.

Am Ende des 16.Jhs. wurde für das Große Fass – angefertigt für 130.000 Liter Zehntwein aus der Pfalz, das heutige Fass fasst 220.000 Liter und verfügt über eine begehbare Plattform – unter Kurfürst Johann Casimir der spätgotische Fassbau mit einer Statue des kleinwüchsigen Hofnarren und Fasswächters Perkeo und dem Königssaal erbaut.

Heidelberger Schloss, Friedrichsbau
Heidelberger Schloss, Friedrichsbau

Die Nordseite des Hofes beherrscht der am Anfang des 17.Jhs. unter Kurfürst Friedrich IV. auf mittelalterlichen Fundamenten errichtete und am Ende des 19.Jhs. im Stil des Historismus mit Zwerchgiebeldach erneuerte repräsentative Friedrichsbau. Seine hofseitige Fassade zieren Statuen der vorangegangenen pfälzischen Kurfürsten und Friedrichs IV. und Zwerchgiebel. Im Inneren ist der Trakt im Stil der Neorenaissance ausgestattet und beherbergt die spätgotische Schlosskapelle aus dem letzten Drittel des 16.Jhs.

Neben dem Friedrichsbau führt ein Gang zu dem das Neckartal, die Stadt Heidelberg und den Heiligenberg überblickenden Altan („Balkon der Fürsten“, heute eine Besucherterrasse) mit offenen Erkern an den äußeren Ecken und der Fußstapfen ähnelnden Bodenvertiefung „Rittersprung“. Der Sage nach entstand sie, als Kurfürst Friedrich IV. sich aufgrund eines Schlossbrandes durch einen Sprung aus dem Palastfenster rettete oder betrunken daraus sprang.

Seit der Mitte des 16.Jhs. verbindet der unter Kurfürst Friedrich II. erbaute Gläserne Saalbau den Friedrichs- mit dem Ottheinrichsbau. Er besitzt Renaissance-Arkaden mit spätgotischen Gewölben an der Hofseite und hatte im zweiten Stock früher einen mit venezianischem Spiegelglas verzierten Spiegelsaal.

Heidelberger Schloss, Blick vom Hortus Palatinus auf den Ottheinrichsbau
Heidelberger Schloss, Blick vom Hortus Palatinus auf den Ottheinrichsbau

Die Bastion des Zeughauses mit der vorgelagerten Karlsschanze bildet den nördlichsten Punkt der Schlossanlage. In ihrer Nordostecke steht der Glockenturm von 1490 mit einer Aufstockung aus dem 16.Jh.

Der in der Mitte des 16.Jhs. unter Kurfürst Ottheinrich entstandene, ursprünglich viergeschossige und mit einem zweigiebligen Dach versehene Ottheinrichsbau im Stil des deutschen Manierismus war das erste Renaissancegbäude nördlich der Alpen. Die allegorischen Figuren an seiner Fassade symbolisieren das Regierungsprogramm der Kurfürsten. Kurfürst Ottheinrich ist im zentralen Portalgiebel dargestellt. Im Inneren lagen einst Wohnräume, Audienzzimmer, der „Herrensaal“ und der „Kaisersaal“.

Die Ostseite des Schlosshofes nimmt der 1524 durch Ludwig V. errichtete und ehemals dreistöckige Ludwigsbau mit einer Statue des Kurfürsten ein. Der um 1600 zu Wohnzwecken aufgestockte Apothekerturm ist heute Teil des Deutschen Apothekenmuseums mit einer Arzneimittelsammlung. In der Südostecke des Ludwigsbaus steht der erste Bergfried des Schlosses, der 1693 durch französische Soldaten gesprengte Krautturm (Pulverturm). Der Ökonomiebau mit Wirtschaftsgebäuden schließt an den Ludwigsbau an. Unweit davon befinden sich zudem der dreistöckige Soldatenbau ehemals mit Wachstube und Wohnräumen der Soldaten und die unter Kurfürst Ludwig V. im 16.Jh. für einen Ziehbrunnen errichtete Brunnenhalle mit vier freistehenden Monolithen und zwei an die Wand gelehnten Halbsäulen (angeblich aus der Kaiserpfalz Karls des Großen in Ingelheim) sowie einem spätgotischen Gewölbe.

Heidelberger Schloss, Große Grotte im Hortus Palatinus
Heidelberger Schloss, Große Grotte im Hortus Palatinus

Im Westen des Schlossgeländes liegt die Terrasse des Stückegartens mit dem als erstem Schlossgebäude im Stil des Barock erbauten triumphbogenartigen Elisabethentor mit feinem Skulpturenschmuck, einem Rondell und den Grundmauern des ehemaligen Vogelhauses.

Der Schlossgarten Hortus Palatinus wurde am Anfang des 17.Jhs. unter Kurfürst Friedrich V. als ausgedehnter Lustgarten mit Terrassen, kunstvollen Zierbeeten, Irrwegen und Wasserspielen angelegte, jedoch (aufgrund der Krönung Friedrichs zum böhmischen König) nie fertiggestellt.

Gegenüber der Schlossanlage befindet sich die Scheffelterrasse mit einer befestigenden Bogenkonstruktion und einem Gedenkstein für den Dichter Joseph Victor von Scheffel. Die unterhalb der Türme im Festungsbau liegenden Kasematten stammen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Auf der Ostseite des Schlosses erstreckt sich der Friesenberg und die Treppe Himmelsleiter führt vom Schloss zum Gipfel des Königstuhles.

 

 

Heidelberg, Altstadt und Philosophenweg
Heidelberg, Altstadt und Philosophenweg

Die Besichtigung des Heidelberger Schlosses ist überaus lohnenswert. Man kann bei der Erkundung dieses Zeugnisses „romantischer“ Erinnerungskultur nicht nur in mehrere Jahrhunderte Heidelberger und Pfälzer Politik- und Architekturgeschichte eintauchen, sondern erhält auch immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die im 18.Jh. auf dem mittelalterlichen Grundriss des 13.Jhs. und 14.Jhs. wieder errichtete barocke Altstadt der zwischen den Bergen Heiligenberg sowie Königstuhl und Gaisberg in der Nähe von Mündung des Rheins in Neckar gelegenen ehemaligen kurpfälzischen Residenz- und heutigen Universitätsstadt Heidelberg.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig zu den Öffnungszeiten möglich.
Es muss Eintritt gezahlt werden.
www.schloss-heidelberg.de