Schloss oberbürg - nürnberg

Oberbürger Straße 1, 90482 Nürnberg

 

An der Pegnitz gelegener ehemaliger barocker Herrensitz aus der Zeit um 1700.

Schloss Oberbürg, Nürnberg
Schloss Oberbürg, Nürnberg

Geschichte und Besichtigung

 

Im August 1943 zerstören Luftangriffe einen einst bedeutsamen Herrensitz im Nürnberger Stadtteil Lauf am Holz: Schloss Oberbürg, von dem heute, wenn man die zwei flankierenden Türme am Eingang passiert, nur der von drei Gebäudetrakten umschlossene Wirtschaftshof der ehemals dreiteiligen Schlossanlage erhalten ist. Eine dicht mit Grün bewachsene Ruine. Von dem durch einen Wassergraben und den Pegnitzarm gesicherten vierflügeligen Hauptschloss mit Rundtürmen an den Ecken zeugen nun nur mehr die Mauerreste und erinnern an eine längst vergangene Zeit.

Schloss Oberbürg, Eingang zum ehemaligen Wirtschaftshof
Schloss Oberbürg, Eingang zum ehemaligen Wirtschaftshof

Das Schloss Oberbürg geht eventuell auf ein im 13.Jh. durch die Reichsministerialen von Lauffenholtz (Laufamholz) nördlich des Lorenzer Reichswaldes am Ufer der Pegnitz errichtetes Weiherhaus zurück, wohl ein wehrhaftes, freistehendes und hausähnliches Gebäude mit Wohn-, Repräsentations-, Verwaltungs- und Wirtschaftsfunktion. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Anlage erst nach einer Besitzteilung am Anfang des 15.Jhs. entstand, nachdem das Grundstück durch Hans den Jüngeren Groland übernommen worden war. 1487 oder 1507 bauten dessen Söhne Nikolaus und Peter Groland eine im Ersten Markgrafenkrieg zwischen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach und der Stadt Nürnberg niedergebrannte Hofstatt – vermutlich ein Fachwerkgebäude auf einem Sandsteinsockel – zu einem Wasserschloss aus. Es besaß einen quadratischen Grundriss sowie einen Zwinger, vier Türme und einen umgebenden Graben, den eine Brücke überspannte.

Nach Besitzerwechseln ab 1539 wurde Schloss Oberbürg unter Bonaventura von Furtenbach im Jahr 1542 zu einem freien Eigen ohne Bindung an das Reich. Der nachfolgende Eigentümer Jörg Rayger ließ in der Mitte des 16.Jhs. umfangreichere Baumaßnahmen durchführen, im Zuge derer das Schloss mit zwei Wohngebäuden, einem Torhaus und einem Vorhof mit Wirtschaftsbauten vor dem Schlossweiher ausgestattet wurde. Um 1563 gab es unter Georg Kandler, dem Besitzer des Industriegutes Hammer, von dem heute noch die Ruine des Herrenhauses, ein Gasthaus, das Uhrenhaus aus der Mitte des 16.Jhs. und die Wohnhäuser der Familien der Arbeiter zu besichtigen sind, abermals bauliche Erweiterungen. Es folgten weitere Wechsel der Eigentümer, bis Margaretha Susanna Gräfin von Polheim dem Schloss im frühen 18.Jh. ein barockes Gepränge verlieh und es sich zu einem gesellschaftlichen Zentrum des Adels entwickelte. Vor allem Emigranten aus Österreich waren nun auf Oberbürg zu Gast. Nach dem Tod der Gräfin wechselten die Eigentümer erneut.

Schloss Oberbürg, Ökonomiehof
Schloss Oberbürg, Ökonomiehof

1943 wurde das Schloss bei einer Bombenattacke zerstört, nur der westlich vorgelagerte Ökonomiehof blieb erhalten. In den 1960er-Jahren wurde der größte Teil der Schlossruine abgebrochen. Wäre zu hoffen, dass sich dennoch zukünftige Nutzungsmöglichkeiten ergeben, denn Potential besteht auf jeden Fall.

 

Herzlichen Dank an Kevin Gudd für die Besichtigungstour.


 

Die Besichtigung ist ganzjährig und jederzeit möglich.