schottische geschichte

frühe neuzeit

 

Die politische Entwicklung Schottlands in der Frühen Neuzeit


Map of the Kingdom of Scotland von John Speede, 1676. Kopie einer Mercator-Karte aus dem 16.Jh., National Museum of Scotland
Map of the Kingdom of Scotland von John Speede, 1676. Kopie einer Mercator-Karte aus dem 16.Jh., National Museum of Scotland

Durch den Erwerb der Orkney- und Shetland-Inseln durch die Heirat von König James III mit Margarethe von Dänemark entwickelte sich ab 1468 das gegenwärtige Schottland. Vom frühen 13. Jh. bis 1707 war Schottland ein souveräner Staat mit dem Monarchen als Regent, dem Privy Council und dem Parliament of Scotland.


Renaissance und Reformation

 

1488 folgte König James IV auf dem schottischen Thron. Er übertrug wichtige Ämter an die Mitrebellen gegen James III und dehnte die königliche Macht aus. Nach der Durchsetzung gegen die Rebellion im Norden – durch wiederholte Besuche, das Einholen von Treueeiden und Versuche der stärkeren Einbindung der Clan chiefs in das Feudalsystem – kamen die Highlands und Inseln (1493 fiel der Titel des Lord of the Isles vom Clan MacDonald an die Krone zurück) unter direkte königliche Kontrolle.

1503 legte James IV durch die Heirat mit Margaret Tudor, Tochter von König Henry VII von England, den Grundstein für die Union of the Crowns. Vor dem Hintergrund des englischen Angriffes unter König Henry VIII auf Frankreich erneuerte Schottland 1512 die Auld Alliance. James IV marschierte in England ein und erlitt in der Battle of Flodden Field 1513 eine Niederlage gegen das englische Heer.

 

Die Sichtweisen auf die Regierung waren um die Wende zum 16. Jh. durch die Ideen der Renaissance beeinflusst. Die „New Monarchy“ betonte den imperialen Status und den Anspruch auf eine absolute Autorität des Monarchen innerhalb seines Reiches sowie die Würde der Krone (James V trug als erster schottischer König die aus geschlossenen Bögen bestehende imperial crown), was zur Schaffung einer stabilen und zentralen Regierung führte.

König James V setzte die Politik der Unterdrückung der rebellierenden Highlands, westlichen und nördlichen Inseln sowie des Grenzlandes fort. Aufgrund seines Vorhabens der Annährung Schottlands an das französisch-päpstliche Lager heiratete er die französische Adelige Marie de Guise. Nach James´ V Tod war seine 1542 kurz nach der Niederlage gegen England in der Battle of Solway Moss geboreneTochter Mary die Erbin des Thrones. Erneut herrschten Regenten (eine pro-französische Seite mit Kardinal Beaton und Marie de Guise sowie eine pro-englische Seite mit James Hamilton, Earl of Arran). Die Truppen König Henrys VIII von England, der auf die Schaffung eines protestantischen Großbritannien als Gegengewicht zu den römisch-katholischen Mächten des Kontinents zielte, stießen nach Schottland vor, um eine Heirat Marys mit Prinz Edward zu erzwingen. Nach dem Sieg Englands 1547 in der Battle of Pinkie Cleugh wurde ein großer Teil des schottischen Südens besetzt. Mary wurde mit dem französischen Dauphin Francois verlobt und Schottland profitierte von französischer Militärhilfe. Durch den Treaty of Norham wurde der Krieg 1551 formal beendet.

Nach dem Rückzug Englands aus Schottland übernahm Marie de Guise 1554 die Regentschaft. Ihr Versuch, französische Interessen einzubringen, führte zu antifranzösischer Stimmung vor allem unter den englandfreundlichen Protestanten. 1560 trafen Königin Elizabeth I von England und die schottischen Lords of the Congregation eine Vereinbarung über die Konditionen zur Abwehr einer französischen Bedrohung durch die englische Flotte und Armee.

Als die katholisch erzogene Mary 1560 als Witwe des französischen Königs Francois II. aus Frankreich zurückkehrte, hatte das schottische Parlament die römisch-katholische Religion abgeschafft und die Reformation eingeführt. Mary sah sich mit Misstrauen, Intrigen und Rivalitäten unter den führenden Adeligen konfrontiert. Zwischen der Monarchin und den protestantischen Untertanen bildete sich eine Kluft. Da Mary die katholische Religion nicht wieder einführte, war auch der katholische Adel verärgert. In einem protestantischen Komplott ließ Marys zweiter Ehemann Henry Stuart, Lord Darnley, ihren Sekretär David Riccio ermorden. Darnley wurde wenig später ebenfalls Opfer eines Mordes und Mary verheiratete sich mit James Hepburn, Earl of Bothwell (der wahrscheinlich der Mörder Darnleys gewesen war). Es gelang ihr jedoch nicht, sich gegen die Rivalen Boswells durchzusetzten. 1567 wurde Mary zur Abdankung zugunsten ihres Sohnes James VI gezwungen und in Loch Leven Castle gefangen gesetzt. Da der Versuch des gewaltsamen Wiedergewinns des schottischen Thrones in der Schlacht bei Langside scheiterte, floh Mary nach England, wo sie wieder in Gefangenschaft kam. Nach dem Vorwurf der angeblichen Unterstützung katholischer Verschwörer ließ die protestantische Königin Elizabeth I von England Mary hinrichten.


James VI, National Museum of Scotland
James VI als Kind, National Museum of Scotland

König James VI, protestantisch erzogen, etablierte zwischen 1584 und 1603 eine effektive königliche Regierung mit einem relativen Frieden zwischen den Großen des Landes. Schottland beendete die Auld Alliance mit Frankreich und wandte sich dem protestantischen England zu. Durch die Unterzeichnung des Treaty of Berwick mit England (als Schutzbündnis der überwiegend protestantischen Länder England und Schottland gegen die katholischen Länder Frankreich und Spanien) 1586 und die Hinrichtung der Mutter Mary wurde der Weg zum Nachfolgen von James VI auch als englischer König bereitet.



War of the Three Kingdoms


1603 (nach dem Tod Königin Elizabeths I vorbereitet durch führende englische Politiker wie den Chief Minister Robert Cecil, Earl of Salisbury) folgte James VI von Schottland mit der Union of the Crowns (Aonadh nan Crùintean) als James I auch als König von England. Die Stuarts herrschten nun in Personalunion/dynastischer Union über zwei unabhängige Königreiche – bis zum Act of Union 1707 und der Schaffung des neuen vereinigten Kingdom of Great Britain.

König James VI/I vertrat einen  absoluten Autoritätsanspruch und strebte in einer Auseinandersetzung mit dem Parlament nach einem neuen „imperialen“ Thron von Großbritannien. Vor dem Hintergrund des Versuches auch einer politischen Union von Schottland und England verlagerte er das politische Leben nach London und beendete den Krieg zwischen England und Spanien. Das schottische Parlament agierte bereits ganz nach dem königlichen Willen, weshalb James nun auch auf eine stärkere Durchsetzung der königlichen Interessen gegenüber dem englischen Parlament zielte. Da der König nicht für die veränderte Kirchenverfassung eintrat, waren die Puritaner, Calvinisten, Katholiken und Schotten enttäuscht, was 1605 in der sogenannten Pulververschwörung des Katholiken Guy Fawkes gegen den König und das Parlament kulminierte. Harte Maßnahmen zur Kontrollierung nonkonformer englischer Katholiken waren die Konsequenz. James ließ zudem eine neue Übersetzung der Bücher der Bibel veröffentlichen.

Wegen Steuerbewilligungen für die finanziell unter Druck stehende königliche Regierung geriet James VI/I erneut mit dem Parlament in Konflikt: Er plante die Verheiratung seines Sohnes Charles mit der katholischen Infantin Maria Anna von Spanien und berief das Parlament zur Finanzierung eines militärischen Einsatzes zur Unterstützung des Schwiegersohnes Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz nach dessen Vertreibung als König von Böhmen ein. Das Parlament schlug jedoch einen Krieg mit Spanien, die Heirat von Charles mit einer Protestantin und eine Verstärkung der anti-katholischen Gesetze vor, woraufhin der König es zurechtwies. Das Parlament reagierte mit einem Verweis auf das Recht auf freie Rede und wurde daraufhin bis 1621 vom König aufgelöst.

König Charles I und der Erzbischof von Canterbury versuchten 1637/1638 eine Ausdehnung der episkopalen anglikanischen Kirchenordnung mit einer bischöflichen Hierarchie und einem englischen Gebetsbuch auf die calvinistisch reformierte schottische Presbyterialkirche (mit Gremien von „Ältesten“). Dies entzündete die „Puritanische Revolution“ und führte zu einem Zusammenschluss des reformierten schottischen Adels und Bürgertums, die zudem unzufrieden mit der Vernachlässigung Schottlands durch die Stuart-Könige waren, im National Covenant. Er erkannte zwar die weltliche Herrschaft des Königs an, forderte aber die Unabhängigkeit der neuen, reformierten Kirche von weltlichen Einflüssen und die Abschaffung des Bischofswesens. In den Bishops´ Wars leisteten die presbyterianischen Covenanters erfolgreichen Widerstand gegen die Politik König Charles´ I in Schottland. Nach dem Frieden mit der Pacification of Berwick kapitulierte König Charles I 1640 im Treaty of Ripon und verpflichtete sich zu Unterstützungszahlungen an das Heer der Covenanters.

Das zur Finanzierung der Bekämpfung der religiösen Unruhen in Schottland einberufene Parlament übernahm in der Mitte des 17. Jhs. die Kontrolle über die Exekutive. Es entriss dem König die Souveränität und stellte ein Heer auf. Diemit dem englischen Parlament verbündeten schottischen Covenanters (England hatte ihnen die Übernahme des schottischen Systems der Kirchenregierung versprochen) spielten in diesem ersten Bürgerkrieg zwischen König Charles I und dem Parlament (1642–1646) eine große Rolle. 1644 endete die Schlacht von Marston Moor mit einer Niederlage der Royalisten gegen eine Allianz des englischen Parlamentsheeres und der schottischen Covenanters unter Alexander Leslie, Earl of Leven. König Charles I ergab sich einem Heer der Covenanters in England und die Royalisten gaben den englischen Norden auf.

Im selben Jahr unternahm der ehemalige Covenanter und nun Royalist James Graham, Marquis of Montrose, einen Versuch zur Aufforderung der Highlands zum Kampf für König Charles I. Dies löste den Schottischen Bürgerkrieg zwischen denRoyalisten und den mit dem englischen Parlament verbündeten Covenanters (die Selbstbezeichnung der Presbyterianer) unter Archibald Campbell, Marquis of Argyll (dem Oberhaupt des mächtigsten Highland Clans) aus. Montrose und die royalistischen Truppen der irischen Konföderierten unter Alasdair MacDonald/MacColla siegten in der Battle of Tippermuir gegen die Covenanters unter Lord Elcho, Earl of Wemyess und griffen danach den Haupthafen der Covenanters in Aberdeen an. 1646 errungen die Royalisten unter George Gordon, Marquis of Huntly, einen erneuten Sieg gegen die Covenanters bei Aberdeen. Verwüstungen der Royalisten in den Ländereien der Campbells führten zur Schlacht von Inverlochy mit starken Verlusten der Campbells of Argyll unter Duncan Campbell of Auchinbreck. Bis zum Ende des Jahres 1645 kontrollierten die den schlecht ausgerüsteten Armeen der Covenanters überlegenen Royalisten einen Großteil von Schottland. Die Abwendung der Highlander und irischen Verbündeten Richtung Norden hatte jedoch in der Schlacht von Philiphaugh eine Niederlage der Royalisten gegen die Covenanters unter Sir David Leslie zur Folge.

Der Marquis of Montrose versuchte 1650 vergeblich, eine Erhebung der Clans zu erreichen. Nach einer Einkesselung in der Battle of Carbisdale wurde er durch Neil Macleod of Assynt gefangen genommen und nach einem Urteil des Parlamentes hingerichtet.

Kriege und Pestwellen hinterließen zwischen 1645 und 1649 starke Verluste auch in der Zivilbevölkerung.

König Charles I lehnte die Etablierung der presbyterianischen Kirche in England ab, weshalb das schottische Heer den König an die Puritaner übergab. Ein reformiertes und diszipliniertes Heer unter Oliver Cromwell siegte in der Schlacht von Preston gegen das Heer des Königs. Mit der Hinrichtung des Königs 1649 wurden Königtum und Oberhaus abgeschafft und England zur Republik erklärt.

Flagge der Covenanters, National Museum of Scotland
Flagge der Covenanters, National Museum of Scotland

Die Covenanters wandten sich vom englischen Parlament ab und den Royalisten zu mit dem Ziel, ein unabhängiges presbyterianisches Schottland frei von einer Beeinflussung durch das englische Parlament zu etablieren (Treaty of Breda zwischen dem zukünftigen König Charles II und den Covenanters). Der königstreue schottische Adel rief Charles II zum König aus, was das englische Parlamentsheer unter Oliver Cromwell 1650 in Schottland einmarschieren ließ. Bei Dunbar erlitt die das Parlament und die Church of Scotland repräsentierende schottische Armee unter David Leslie eine vernichtende Niederlage gegen die New Model Army Cromwells, zudem scheiterte die Invasion der Scottish Army of the Kingdom in England bei Worcester. Schottland wurde durch englische Truppen unter George Monck besetzt (1652 fiel die letzte royalistische Bastion Dunnottar Castle) und in das puritanische Commonwealth eingegliedert.

Zwischen 1651 und 1654 gab es royalistische Aufstände in Schottland vor allem in den westlichen Highlands unter William Cunningham, Earl of Glencairn, und John Middleton. Durch die Bürgerkriege wurden die Highland Clans in die Covenanters und das königliche Haus Stuart unterstützende Clans entzweit.

 

Nach dem Tod Oliver Cromwells wurde 1660 mit König Charles II die Stuart-Monarchie restauriert. Charles II ernannte eigene Ratgeber für den Privy Council und berief ein neues, reguläres Parlament in London ein. Durch Gesetze zur Festigung der königlichen Machtstellung wurde Schottland wieder zu einem unabhängigen Königreich mit steigender absolutistischer Prägung. Es erhielt sein Gesetzessystem, das Parlament (die Fragen nach Religion, Regierungsform und Status der Highlands wurden jedoch nicht gelöst), die Kirk und die Bischöfe sowie die „Lords of the Articles“ zurück. Da der König von England aus ohne Verständigung mit dem Parlament über eine Reihe von das Episkopat durchsetzen wollenden Beauftragten regierte, war die zweite Hälfte des 17. Jhs. durch Konflikte zwischen den moderat reformierten Königstreuen und den radikal reformierten Anhängern des Covenant geprägt. Viele Einwohner wandten sich von der offiziellen Kirche ab und es kam zu blutigen Auseinandersetzungen vor allem im Südwesten Schottlands. Ab den 1680er Jahren wurden die Presbyterianer bzw. radikal auftretenden Covenanter verstärkt verfolgt.

Der Rekatholisierungsversuche betreibende und frankreichfreundliche König James VII/II (Bruder von Charles II) verkündete ab 1685 allgemeine Glaubensfreiheit und überging das Parlament, was die an der anglikanischen Kirche festhaltenden Eliten beunruhigte. Da König James VII/II zudem überraschend ein Sohn geboren wurde, wandte sich das House of Lords des englischen Parlamentes 1688 an den protestantischen niederländischen Statthalter William (III) von Oranien. William und seine Frau Mary (eine Tochter von James VII/II) stimmten der Führung einer antikatholischen und antifranzösischen Politik als Könige von England zu. Mit der Verabschiedung der Bill of Rights im Jahr 1689, die das Fundament für die englische konstitutionelle Monarchie legte, gestand das Königtum in der „Glorious Revolution“ beiden Häuser des Parlamentes die Mitwirkung an der Regierung zu. Daraus resultierten eine Beschneidung der Königsgewalt und die Aufwertung des Ständeparlamentes. Bis 1690 erkannte auch das schottische Parlament die Nachfolge Williams und Marys an und führte zudem die presbyterianische Staatskirche wieder ein. Dies hatte eine Spaltung des Landes in presbyterianische, protestantische und die Union befürwortende Lowlands und episkopale, katholische und die Union ablehnende Highlands zur Folge.

Im späten 17. Jh. und frühen 18. Jh. befanden sich die Beziehungen zwischen Schottland und England auf einem Tiefpunkt. Die Involvierung in europäische Kriege beanspruchte Schottland durch Besteuerungen und die Verpflichtung zum Stellen von Soldaten stark. Als durch eine Sabotage der englischen Regierung die Company of Scotland zusammenbrach, verabschiedete das Parlament 1703 ein Gesetz zur Verhinderung der Verwicklung Schottlands in Kriege außerhalb des Landes. England reagierte 1705 mit dem Alien Act, der alle Schotten außerhalb Englands vom Handel mit England ausschloss.

1706/1707 wurden mit dem Treaty of Union zwischen den Abgeordneten des englischen und des schottischen Parlamentes und den Acts of Union zur Verhinderung einer getrennten Thronfolge in England und Schottland (englische Sicht) und zur Erholung der Wirtschaft nach den finanziellen Verlusten durch den Darien Plan (schottische Sicht) die Königreiche England und Schottland politisch vereinigt sowie das Parliament of Great Britain geschaffen. Schottische Abgeordnete wurden in das House of Commons und das House of Lords im britischen Westminster-Parlament in London entsandt. Die Acts of Union garantierten zudem die Eigenständigkeit der Church of Scotland, ein eigenes schottisches Rechtssystem sowie wirtschafts- und steuerpolitische Konzessionen. Die erfolgreiche Durchsetzung des Union Acts im schottischen Parlament, an dessen Ende seine Auflösung stand, war zu einem großen Teil der Verdienst von James Douglas, Duke of Queensberry.

 

Die Jacobite Risings


Mit der Restauration von König Charles II breitete sich unter den Clans der den hierarchischen Clan-Strukturen entgegenkommende Episkopalismus aus, weshalb sich die Clans der Autorität der Krone zuwandten und nach der Glorious Revolution und dem Act of Union für das exilierte Haus Stuart kämpften.

Obwohl die Unterstützer König Williams III in der Regierung dominierten, gab es, beeinflusst durch den Faktor der Religion, vor allem in den Highlands weiterhin eine starke Anhängerschaft für den exilierten Stuart James VII/II. König William III forderte jedoch den Treueeid der schottischen Clans ein.

Der Sieg John Grahams of Claverhouse, Viscount of Dundee, und der Highland Truppen gegen eine Armee König Williams III von England in der Schlacht von Killiecrankie löste eine Reihe von Aufständen aus. Nach dem Tod Dundees unterlag die jakobitische Armee in der Schlacht von Dunkeld (auf dem Rückweg plünderten die MacDonalds/MacIains in den Ländereien von Robert Campbell of Glenlyon) und an den Haughs of Cromdale. Aufgrund des verzögerten Treueschwurs Alasdair MacDonalds (er schaffte es wetterbedingt nicht rechtzeitig zum Stichtag) an die neuen englischen Monarchen William III und Mary wurden im Massaker von Glencoe (Mort Ghlinne Comhann) 1692 38 Mitglieder des Clan MacDonald durch ein gastfreundlich aufgenommenes Regiment des Earl of Argyll unter dem Kommando von Robert Campbell of Glenlyon ermordet.  In der Folge leisteten alle Jakobitenführer ihren Treueeid auf William III. Die Vorfälle von Glencoe wurden 1695 vor dem Hintergrund des Verdachtes auf strafverschärfenden Mord unter Missbrauch des Vertrauens untersucht. Das Ziels, die Verantwortlichen für die Befehle zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterte jedoch und die Schuld wurde dem Staatssekretär John Dalrymple zugeschrieben.

Der Jakobitismus wurde angesichts der Unbeliebtheit der Union wiederbelebt. 1708 unternahm James Francis Edward Stuart („the Old Pretender“, Sohn von James VII/II und durch die Befürworter zum britischen König James III/VIII proklamiert) kurz nach dem Machtantritt von König George I (aus dem Haus Hannover) einen Invasionsversuch in England. Aufstände („the Fifteen“) in Wales, Devon und Schottland unter John Erskine, Earl of Mar, endeten mit Niederlagen gegen England 1715 in der Schlacht von Preston und 1719 in der Schlacht von Glen Shiel. Nach der Zerschlagung der Aufstände wurden zur Überwachung der Highlands die Garnisonen der britischen Regierung entlang des Great Glen erweitert.

Um 1725 formierte General George Wade im Auftrag von König George II die Black Watch (Am Freiceadan Dubh; heute das 3rd Infantry-Battalion des Royal Regiment of Scotland) aus Kompanien aus den Clans Campbell, Fraser, Munro und Grant zum Patrouillieren der Highlands. Ihren ersten Kampfeinsatz hatte die Black Watch 1745 in Fontenoy.

1745 siegten die Jakobiten unter Lord Lewis Gordon über die den britischen König unterstützende Truppen des MacLeod of MacLeod in der Battle of Inverurie. Zu dieser Zeit war England in den Österreichischen Erbfolgekrieg mit Frankreich auf dem Kontinent involviert, was die „Forty-Five“ unter dem britischen Thronprätendenten Charles Edward Stuart (Bonnie Prince Charlie, „the Young Pretender“; Bliadhna Theàrlaich) und einigen Highland Clans (sowie den jakobitischen Adeligen Duke of Perth, Lord John Drummond of Fairntower, Lord Lovat, Donald Cameron of Lochiel, Lord Linton, John Murray of Broughton) mit dem Ziel der Wiedergewinnung des britischen Thrones für das exilierte, römisch-katholische Haus Stuart ausnutzten. Nach dem Versprechen der rückendeckenden Unterstützung durch Frankreich versammelte Charles Edward Stuart in Glenfinnan die chieftains der Highland Clans (vor allem vom Clan MacDonald of Clan Ranald, Clan MacDonell of Glengarry, Clan MacDonald of Keppoch und Clan Cameron), die drei Viertel der jakobitischen Armee bildeten. Die Armee drang nach Süden vor und nahm Edinburgh ein. James (VIII) wurde zum König von Schottland proklamiert, mit Charles als Regent. Es folgte der Sieg der Jakobiten über eine britische Regierungsarmee unter Sir John Cope in der Schlacht von Prestonpans nach einem Überraschungsangriff von Charles´ Kommandant Lord George Murray. Obwohl die Clan chiefs nun eine Stabilisierung der Position in Schottland bevorzugten und auf die französische Unterstützung warten wollten, marschierten jakobitischen Truppen in England bis nach Derby ein.

Die Rebellion der Jakobiten wurde von der Mehrheit der schottischen Bevölkerung abgelehnt. Die Erkenntnis der fehlenden Unterstützung eines römisch-katholischen Stuart-Monarchen durch das protestantische England und das Ausbleiben der französischen Hilfe führten zu einer Vertrauenskrise innerhalb der jakobitischen Führung und zum Entschluss zur Rückkehr nach Schottland.

Nach dem Rückgewinn der Kontrolle über Edinburgh durch die britische Regierung zog sich der von britischen Truppen des William Augustus, Duke of Cumberland, (Sohn von König George II) verfolgte Charles Edward Stuart nach Norden zurück und eroberte Fort Augustus und Fort George im als Kontrollbereich der britischen Regierung gegen die Highland Clans fungierenden Great Glen.

Targe des Charles Edward Stuart, National Museum of Scotland
Targe des Charles Edward Stuart, National Museum of Scotland

Am 16. April 1746 wurde der Jakobitenaufstand in der Schlacht von Culloden (Blàr Chùil Lodair) in der Nähe von Inverness nach einem erfolglosen Angriff der Highlander durch gut trainierte und disziplinierte englische und schottische Regierungstruppen schnell und blutig niedergeschlagen. Die Highland-Truppen des Charles Edward Stuart, deren größte Schwäche die zu geringe Anzahl an gut ausgebildeten und bewaffneten Offizieren war, erlitten Verluste von zwischen 1500 und 2000 Mann. Die restliche jakobitische Armee löste sich auf und Charles floh nach Frankreich.

Die Battle of Culloden führte zur Erschütterung von traditionellen Gesellschaftsstrukturen. Nach den Jakobitenaufständen führte die britische Regierung Maßnahmen zur Zerstörung des Systems der Highland Clans und zum Verbot der gälischen Kultur der Highlands durch: Die jakobitischen Anführer wurden hingerichtet, die Ländereien der die jakobitische Sache unterstützenden Adeligen und Clan chiefs verkauft, die erbliche Rechtsprechung der Feudalherren über ihre Untertanen beendet, das Tragen von Waffen und Tartan verboten und die Aktivitäten der Episcopalian Church eingeschränkt. Das Resultat der Veränderungen waren die Highland Clearances mit einer erzwungenen Umsiedlung der Bevölkerung und Einfriedung von Land.

Nach 1746 traten viele Highlander als Soldaten in die Highland Regimenter der britischen Armee ein, um den angestammten Lebensstil einer Kriegerkultur fortführen zu können. In der Armee entwickelte sich durch die Zusammenarbeit mit Lowlandern mancherorts ein gemeinsames Gefühls des „Schottisch-seins“.

 

 

Gesellschaftliche Strukturen im frühneuzeitlichen Schottland

 

Die Spitze der frühneuzeitlichen Gesellschaft bildete der König. Ihm untergeordnet waren die dem lokalen System von Schirmherrschaft und Gefolgschaft vorstehenden Großen des Landes: die kleine Gruppe der Dukes (Herzöge) und die größere Gruppe der Earls (Grafen) aus dem alten Adel.

Unter diesen standen die Lehen haltenden und über das Recht zum Abhalten von Gerichtssitzungen verfügenden Freiherren (barons) und lokale Lehnsherren (tenants-in-chief), die ihr Land direkt vom König bekamen. Mit dem Niedergang der feudalen Unterschiede vermischten sich die barons und tenants-in-chief zur neuen Gruppe der Lairds. Sie berieten und beeinflussten die Dukes und Earls und waren die wichtigsten Personen in den lokalen Gemeinden. Ab dem 17. Jh. gewannen sie auch politischen Einfluss.

Den Lairds untergeordnet waren Personen mit größerem Landbesitz (Yeomen). Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung (Husbandmen, Lesser Landholders/Free Tenants) war in der Landwirtschaft tätig und lebte in Ansiedlungen von jeweils etwa fünf Familien. Das Ende der gesellschaftlichen Hierarchie stellten die die kleine Bereiche an Land besetzenden und als angestellte Arbeitskräfte tätigen Cottars und Grassmen dar.

An der Spitze der städtischen Gesellschaft standen einflussreiche Kaufleute, oft Inhaber städtischer Ämter wie Burgess (zunächst die Bezeichnung für einen freien Bürger, dann für eine Amtsperson einer Gemeinde)/Alderman (Ratsherr)/Bai(l)lie. Darunter waren die Merchants (Händler), Craftsmen (Handwerker) und dann die Workers and Labourers (Arbeiter, Tagelöhner) anzuordnen, die Mehrheit der Stadtbevölkerung.


 

Politische Strukturen im frühneuzeitlichen Schottland

 

Vor dem Hintergrund der Betonung des imperialen Status und des Anspruches auf absolute Autorität des Monarchen innerhalb seines Reiches sowie der Würde der Krone schuf der Herrscher eine stabile und zentrale Regierung mit dem aus den führenden Adeligen, Amtsträgern und Botschaftern rund um den Monarchen und seine Privy Chamber sowie dem im 16. Jh. etablierten Privy Council bestehenden königlichen Hof als Zentrum des politischen und kulturellen Lebens. Obwohl in den 1580er Jahren eine regelmäßige Besteuerung eingeführt worden war, blieb das Problem zu geringer Einnahmen der Regierung bestehen.

 

Die schottischen Monarchen der frühen Neuzeit bzw. zwischen 1513 und 1707 waren: House of Stewart: James IV > James > Mary I > House of Stuart (Lennox-Zweig): James VI > Charles I > Charles II > James VII > Mary II > William II > Anne (> jakobitische Thronanwärter: James VIII (Sohn von James VII), Charles III, Henry I

 

Im 16. Jh. kamen Theorien zur Einschränkung der Macht der Monarchie (z. B. des George Buchanan) auf, konnten sich aber nicht gegen die an das Gottesgnadentum glaubenden Könige durchsetzen.

Der Privy Council der höchsten Amtsträger fungierte nach 1603 bis zu König Charles II als Exekutivorgan des Königs in Schottland. Charles II richtete einen bis 1707 bestehenden Council in London ein. Ab 1532 wurden die richterlichen Angelegenheiten vom Privy Council an das neugegründete College of Justice (1672 wurde der High Court of Justiciary als übergeordneter Gerichtshof gegründet), später den Court of Session übertragen.

Während des Mittelalters aus den Gefährten des Königs und dem königlichen Haushalt hervorgegangene traditionelle Minister der Krone, die Great Officers of State, bildeten einen Teil der Regierung. Viele Ämter waren erblich. Der die Verantwortung für das Große Siegel tragende Lord Chancellor agierte ab der Mitte des 16. Jhs. als führende Person des Privy Council (und hatte ab 1619 zusätzlich den Titel des President of the Privy Council), während der Secretary für die Dokumente des Privy Council und die Außenpolitik zuständig war. Der Treasurer verwaltete die königlichen Finanzen. Als Verbindungsperson zwischen dem Privy Council und dem Hof fungierte der Lord President of the Court of Session. Weitere Ämter: Lord High Chancellor, Lord Privy Seal und Lord Secretary, Lord High Treasurer, Lord Register, Lord Advocate, Treasurer-depute und Lord Justice Clerk; Officers of the Crown: President of the Council, High Chamberlain, Great Stewart of Scotland, Lord High Constable of Scotland, The Knight Marischal und Earl Marischal; Great Officers of the Royal Household: Lord Steward, Lord Chamberlain, The Master of the Household, Master of the Horse, Comptroller, King´s Usher und Lord Lyon King of Arms.

Im 16. Jh. veränderte sich die Zusammensetzung des Parlamentes und Konkurrenzen mit neuen nationalen Versammlungen entstanden, wie etwa der einflussreichen Convention of Royal Burghs(die aus dem Court of the Four Burghs des 13. Jhs. hervorgegangen war) als eine Art von Parlament der Handelsstädte. Die Convention regelte innerstädtische Angelegenheiten, schützte die Privilegien, organisierte Handel und Handwerk und verfolgte die Interessen der royal burghs. Bis 1689 waren 70 burghs Mitglieder in der Convention, 1899 bestand sie aus 103 burghs. Die Convention wurde 1975 bei der Neuorganisation der lokalen Regierung abgeschafft.

Nach der Reformation wurde der bisherige erste Stand des Klerus durch Weltliche als neue Besitzer der Klöster ersetzt, die Bischöfe blieben jedoch vorerst im Parlament. Die Kirk drängte zur Reformierung der kirchlichen Repräsentation im Parlament, nach 1567 wurde der katholische Klerus ausgeschlossen. 1638 wurde das Parlament zu einer rein weltlichen Einrichtung, als auch die protestantischen Geistlichen ausgeschlossen wurden. Die shires entsandten ab 1587 Beauftragte (meist niedrige Adelige) in das Parlament. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jhs. nahm die Gesetzgebung des Parlamentes zu und der königliche Einfluss über die „Lords of the Articles“ als ausführendes Komitee für legislative Angelegenheiten wurde ausgedehnt.

Edinburgh stieg im 15. Jh. zur schottischen Hauptstadt auf. Es diente als Sitz der zentralen Gerichtshöfe, des Parlamentes und der königlichen Residenz im Palace of Holyroodhouse. 1639 wurde die Parliament Hall als permanenter Tagungsort des Parlamentes fertig gestellt.

 

Als Reaktion der Regierung auf die Jakobitenaufstände wurden nach dem Heritable Jurisdictions Act von 1747 rechtliche Reformen durchgeführt. Durch die Beschränkung der Gerichte der burghs, die Abschaffung von erblichen Ämtern und das obsolet Werden der Herrengerichte verlängerte man die Arme der zentralen Gerichtshöfe. Zudem wurden Versuche zur Kodifizierung und Kommentierung des schottischen Rechtssystems unternommen.

Ab dem 16. Jh. wurden der Einfluss der zentralen Regierung auf lokale Angelegenheiten und ab dem 17. Jh. die Verwaltungsbefugnisse der shires ausgedehnt, indem man die Justices of the Peace und Commissioners of Supply zur Regulierung des Fehdewesens und regelmäßigen Besteuerung in den shires und sheriffdoms einführte.

Nach der Etablierung der Armengesetze des „Old Poor Law“ (bis 1845) angesichts der wachsenden Landstreicherei wurden die Gemeinden und die Kirk im letzten Drittel des 16. Jhs. zu wichtigen Einheiten der lokalen Regierung bezüglich der Verantwortung für die Armenseelsorge.

Ab 1707 wurde die Bezeichnung der counties auf die sheriffdoms angewendet. Dies hatte die Reduzierung des Amtes des sheriffs auf eine größtenteils zeremonielle Position zur Folge. Am Ende des 18. Jhs. wurden den counties Lord-Lieutenants zugewiesen und county Regimenter ausgehoben.

 

In das 15. Jh. und 16. Jh. fällt die Entstehung der schottischen Kronjuwelen (Honors of Scotland): die über vier Bögen verfügende goldene Krone (die in der heutigen Form 1540 durch König James V geschaffen und bis zu Charles II als Krönungskrone genutzt wurde), das Zepter (1494 ein Geschenk von Papst Alexander VI an König James IV) und das Staatsschwert (1507 ein Geschenk von Papst Julius II an König James IV). Während der Zeit Oliver Cromwells wurden die Kronjuwelen zur Verhinderung des Einschmelzens versteckt gelagert und nach 1707 in einer Truhe auf Edinburgh Castle aufbewahrt. Seit 1819 werden sie in Edinburgh Castle ausgestellt und bei staatlichen Anlässen vorgezeigt.

Mit der Union of the Crowns 1603 wurde das im Spätmittelalter entstandene und bis 1707 verwendete offizielle Royal Coat of Arms of Scotland adaptiert. Es ist Teil des Royal Coat of Arms of the United Kingdom.

 

 

Die militärische Entwicklung Schottlands in der Frühen Neuzeit


Aufgrund der Verpflichtung der potentiellen Soldaten zur eigenständigen Bereitstellung der Ausrüstung wuchsen in der Mitte des 16. Jhs. die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung. Die Ausrüstung wurde durch mehrmals jährlich durchgeführte Musterungen kontrolliert. Nach der Niederlage von Flodden Field 1513 war schwere Rüstung abgeschafft worden, was die Unterscheidbarkeit zwischen Adeligen und ihren Gefolgsleuten erschwerte. Die schwere Kavallerie war seit 1314 einer leichten gewichen.

Ab der Mitte des 16. Jhs. wurden Äxte und Speere, Bögen und Zweihandschwerter der Infanterie durch Piken und Schusswaffen für Schießpulver und ab dem späten 17. Jh. durch Seitenschussgewehre (Bajonette) ersetzt.

In der Mitte des 15. Jhs. begann der Umbau von Burgen zur Nutzung von Schießpulverwaffen und in der Mitte des 16. Jhs. wurde die schottische Grenze durch Forts und Bastionen stärker befestigt. Während der englischen Besatzung zur Zeit des Commonwealth in der Mitte des 17. Jhs. errichtete man mehreckige Festungen mit dreieckigen Bastionen in Ayr, Inverness und Leith. Nach der Restauration wurden Garnisonen in den Festungen von Edinburgh, Stirling, Dumbarton und Blackness eingerichtet.

Die schottische Marine setzte nach der Niederlage von Flodden in der ersten Hälfte des 16. Jhs. auf private Kapitäne und angeworbene Seeleute; der Schiffbau erlebte einen Niedergang. König James V legte 1542 einen neuen Hafen in Burntisland an. Nach der erneuten Etablierung der königlichen Flotte in den 1620er Jahren nahm Schottland als Verbündeter an den englischen Kriegen sowie an Expeditionen nach Biscaya und Westindien teil. Nach der Glorious Revolution wurden die schottischen Schiffe an die Royal Navy übergeben und in der zweiten Hälfte des 17. Jhs. verstärkt Patrouillen in schottischen Gewässern durchgeführt.

Um 1707 verfügte Schottland über eine stehende Armee mit sieben Einheiten Infanterie, zwei Einheiten Kavallerie und eine Truppe Horse Guards sowie verschiedene Formen von Festungsartillerie. Die bestehenden schottischen Regimenter wurden in die britische Armee inkorporiert und 1740 die Black Watch als erstes offizielles Highland Regiment der British Army geschaffen.

Viele Schotten leisteten im ersten Drittel des 17. Jhs. Dienst in den an Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges beteiligten Armeen und wurden ab dem späten 17. Jh. in die Kriege König Williams III auf dem Kontinent verwickelt. Im 18. Jh. partizipierten die schottischen Truppen innerhalb der britischen Armee am Spanischen Erbfolgekrieg.


claidheamh mor, National Museum of Scotland
claidheamh mor, National Museum of Scotland

Die Kampftechnik der Highland Clans

 

Der größte Teil der Bevölkerung auf dem Territorium eines Clans bestand aus Land bestellenden Pächtern, welche in Plaids kämpften. Die Gruppe der Krieger wurde aus den oft mit dem Chief blutsverwandten daoine-uaisle/tacksman gebildet. Sie trugen ein vollständiges Highland dress und Kettenhemden und waren mit Breitschwertern und Feuerwaffen bewaffnet. Nur in Kriegszeiten waren sie mit Schilden ausgestattet und agierten als Offiziere. Vor dem 17. Jh. kämpften die Highlander in geschlossenen Formationen, die von einer schwer mit Kriegsäxten oder zweihändigen Breitschwertern (claidheamh mor) mit kreuzförmigem Heft bewaffneten Kriegerelite angeführt wurden.

Mit der Verbreitung von Musketen und Kanonen entwickelte sich ein leichteres, einhändiges und gemeinsam mit einem an den Körper gebundenen runden Schild (targe) sowie einem langen Messer (dirk/biotag) geführtes Breitschwert. Dieses kam im Highland charge zum Einsatz, einem schnellen, vorzugsweise bergab und auf einem festen Untergrund ausgeführten Angriff von jeweils aus etwa einem Dutzend Personen bestehenden und gemeinsam einen Keil formierenden Gruppen. Der Highland charge begann mit der Nutzung von Fernfeuerwaffen, dann folgten ein Ducken und der rasche Wechsel zu Hieb- und Stichwaffen und schließlich der finale Anlauf unter lauten gälischen Ausrufen. Der Angriff hatte einen starken psychologischen Faktor, der darauf zielte, die gegnerischen Linien zu brechen.

Targe und Breitschwert, National Museum of Scotland
Targe und Breitschwert, National Museum of Scotland


 


Religiöse Entwicklung: Reformation und Schaffung der Kirk

 

Im ersten Drittel des 16. Jhs. gründete König Henry VIII von England nach dem Bruch mit dem Papst die anglikanische Staatskirche und erklärte den König zum Kirchenoberhaupt. Unter Königin Elizabeth I wurden die anglikanische und die römische Kirche endgültig voneinander getrennt und das königliche Supremat über die Kirche wiederhergestellt. Eine Gegenbewegung waren die sich an der schottischen Presbyterialkirche orientierenden Puritaner. Schottland wurde zudem stark durch Martin Luther und John Calvin beeinflusst (große Bedeutung hatten die Werke des Lutheraners Patrick Hamilton). Eingeschränkte Toleranz und Einflüsse exilierter Schotten und Protestanten führten zur Expansion des Protestantismus und fortschreitenden Ablehnung der päpstlichen Autorität und katholischen Glaubenspraktiken. 1560 kam ein Reformationsparlament zusammen. Es schaffte die römisch-katholische Religion ab und führte den Protestantismus sowie ein Presbyterialsystem (mit Gremien von Ältesten und Pfarrern) ein. In Bilderstürmen wurden große Teile mittelalterlicher Kirchenausstattungen zerstört. Kirchen wurden umgebaut oder neu errichtet, mit der Kanzel als zentralem Punkt. Der Kirchenkritik und Politik mischende und auf eine antifranzösische Adelsgruppe gestützte Reformator John Knox legte das Fundament für eine eigene schottische Kirche.

Viele Adelsgruppen befürworteten die Reformation. Durch die Einsetzung von James VI als König konnte die protestantische Monarchie weitergeführt werden. Die Hinrichtung der Katholikin Mary Stuart bildete den Abschluss der Reformation in Schottland. Die protestantische Reformation des 16. Jhs. schuf eine dominierende calvinistische nationale Kirk mit einem starken presbyterianischen Auftreten und einer reduzierten Anzahl von Bischöfen sowie dem Fokus auf der Bibel als Hauptquelle moralischer Autorität. In den Highlands konnte die protestantische Reformation nur Teilerfolge verbuchen, in einigen Gegenden blieb der römisch-katholische Glaube bestehen.

Unter Charles I wurde der Versuch der Rückkehr zu päpstlichen Formen unternommen. Der König führte ohne Absprache mit dem Parlament ein neues englisches Gebetsbuch ein und erklärte sich zum Oberhaupt der Kirche. Ein presbyterianisches Kirchensystem wurde etabliert und die schottischen Bischöfe entlassen. Dies führte zur Opposition des protestantischen Adels und den Bishop´s Wars mit einem Sieg der presbyterianischen Covenanters, die 1581 unter John Craig im Zuge der Rekatholisierungsbestrebungen zum ersten Mal erfolgreich aufgetreten waren. Die anschließende Einberufung des englischen Parlamentes durch König Charles I mündete 1642 im Bürgerkrieg.

Die nachfolgende Zeit war geprägt durch Konflikte zwischen den moderat reformierten Königstreuen und den radikal reformierten Anhängern des Covenant. Nach der Eingliederung Schottlands in das Commonwealth fand eine tiefgreifende Teilung der Kirk in die königsfreundlichen Resolutioners und die königsfeindlichen Protesters statt. Mit der Restauration der Stuart-Monarchie 1660 erhielt Schottland auch seine Kirk und die Bischöfe zurück. Charles´ II Bruder König James VII/II besetzte im Rahmen von Rekatholisierungsmaßnahmen politischen Schlüsselpositionen mit Katholiken.

The Maiden, National Museum of Scotland
The Maiden, National Museum of Scotland

Nach der Glorious Revolution wurden ab den 1680er Jahren radikal auftretende Covenanter(Cameronians, die die Revolution verteidigten, aber über die Nicht-Realisierung der religiösen Vorstellungen durch die neue Regierung enttäuscht waren) verstärkt verfolgt und hingerichtet. 1690 wurde der Presbyterianismus als schottische Staatsreligion etabliert.

Im 17. Jh. befand sich die Disziplinierung durch die Kirk auf einem Höhepunkt, vor allem hinsichtlich der Fähigkeit zur Sanktionierung z. B. in Form von Exkommunikationen. Das zentrale Ereignis war die Kommunion (die manchmal im Freien in holy fairs abgehalten wurde). Vor allem unter König James VI und durch die Kirk wurden im 16. Jh. und 17. Jh. Hexenverfolgungen und -prozesse (seit dem Witchcraft Act 1563 betrachtete man „Hexerei“ als Kapitalverbrechen) abgehalten.

 

 

(Land)wirtschaftliche Entwicklung: Fortschritte in Ackerbau, Handel und Industrie

 

In der frühen Neuzeit bildeten – bedingt durch schwieriges Terrain und begrenzte Transportwege – die Landwirtschaft (Lowland fermtoun und Highland baile) und lokale Produktion die Grundlage der schottischen Wirtschaft. Durch den Import neuer Herstellungstechniken setzte die industrielle Produktion durch Importierung neuer Herstellungstechniken ein. 1596 wurde die Society of Brewers in Edinburgh etabliert und durch die Einführung von englischem Hopfen die schottische Bierbrauerei ermöglicht. Es begann der Handel vor allem mit England und Amerika, von dem besonders Edinburgh über den Hafen von Leith profitierte.

Durch Bevölkerungswachstum und wirtschaftlich bedingte Ortswechsel stiegen ab der zweiten Hälfte des 16. Jhs. Armut und Vagabundieren an. Man reagierte mit Gesetzen zur Fürsorge von Bedürftigen und Bestrafung von Bettlerei. Zudem betrieb die Kirk Armenfürsorge.

Steuererhöhungen, Deflation und Pestwellen sowie englische Invasionen, Handelsbeschränkungen und Missernten führten zu einer ökonomischen Krise im späten 16. Jh. sowie in den 1690er Jahren, auf die Hungersnöte und Bevölkerungsrückgang vor allem im Norden folgten. Vor dem Hintergrund des Krieges zwischen England und Frankreich scheiterten zudem die Pläne zur Einrichtung einer lukrativen schottischen Kolonie in Übersee (Darien scheme).

Die zweite Hälfte des 18. Jhs. ermöglichte durch die Vereinigung mit England und neue Techniken in den Manufakturen die industrielle Entwicklung und wirtschaftliche Expansion (geleitet durch das Board of Trustees for Fisheries and Manufactures in Scotland). Die Städte Glasgow und Edinburgh wuchsen stark durch Handel mit Tabak und Zucker, die Textilindustrie vor allem von Leinen als Grundlage der späteren Baumwoll- und Wollherstellung sowie intellektuellen Aufschwung. Bis zum Ende des 18. Jhs. etablierte sich ein flexibles und dynamisches Bankwesen (1695 Bank of Scotland, 1727 Royal Bank of Scotland).

Bis zum Ende des 17. Jhs. wurde ein Straßennetz von den Highlands in das nordöstliche England angelegt und als Antwort auf die Jakobitenaufstände im 18. Jh. eine Reihe von Militärstraßen gebaut.

Die Landwirtschaft erweiterte sich im 18. Jh. Durch die Abschaffung des feudalen kam ein auf größeren Gebieten basierendes System des Landbesitzes auf. Dies führte zu einem Prozess der Schaffung von großen rechteckigen Feldern und strategisch durchdacht stehenden und durch Straßen verbundenen Höfen (kleinere aus einem Langhaus bestehende und größere drei- bis vierseitige Höfe). Der Ackerbau wurde durch neue Anbausorten, -techniken (Mehrfelderwirtschaft) und eingefasste rechteckige enclosures (die allerdings eine höhere Arbeitslosigkeit und Migration in die Städte zur Folge hatten) verbessert. Die Kartoffel wurde eingeführt und die regionale Spezialisierung nahm zu.

Frauen bildeten einen großen Teil der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und entstehenden Textilindustrie, indem sie den Ehemann auf dem Hof unterstützten, auf anderen Höfen angestellt waren oder als Spinnerinnen arbeiteten.

 

 

Die kulturelle Entwicklung Schottlands in der Frühen Neuzeit: Enlightenment

 

Im 15. Jh. waren die Universitäten von St Andrews, Glasgow und Aberdeen gegründet worden. Aufgrund des beschränkten Lehrplanes war es jedoch häufig erforderlich, zum Erwerb höherer Grade ein Studium im Ausland zu absolvieren.

Nach der Reformation kam es zu Bestrebungen zur Verbesserung der Bildung. Die Schulen wurden mehr unterstützt und eine Reihe universitärer Reformen durchgeführt, mit dem Ergebnis einer Ausbildungsqualität auf europäischem Level.

 

Zwischen dem späten 15. Jh. und dem frühen 17. Jh., vor allem unter dem letzten fließend Gälisch sprechenden König James IV, blühten die schottische Kultur und Kunst unter dem Einfluss der Renaissance und den Ideen des Humanismus (mit dem Anspruch der Entwicklung des selbstbewusst-gebildeten Individuums durch die Lektüre klassischer antiker Texte). Der königliche Hof stellte dabei den politischen und kulturellen Mittelpunkt dar. Die Vorstellung von einer imperialen Monarchie fand ihren künstlerischen Ausdruck in Deckenmalereien im Stil der Renaissance (vor allem Früchte- und Blumenmuster) und in Gemälden z. B. des Künstlers George Jamesone of Aberdeen. Ab etwa 1500 wurden die schottischen Könige auf Porträts vor allem niederländischer Künstler festgehalten.

 

Die mit dem königlichen Hof vor allem James´ IV verbundenen makars (wie William Dunbar, Robert Henryson und Gavin Douglas, deren Werke in dem um 1560 zusammengestellten Bannatyne Manuscript erhalten sind) produzierten einen großen Teil der mittelschottischen Literatur. 1507 wurde eine Druckpresse unter königlichem Patent etabliert und mit der Eneados des Gavin Douglas entstand 1513 die erste vollständige Übersetzung eines klassischen Textes in eine anglische Sprache.

König James V agierte als Mäzen für vermehrt in Scots schreibende Dichter und Schriftsteller im Sinne der Renaissance: William Stewart und John Bellenden übersetzten die lateinische History of Scotland und Sir David Lyndsay of the Mount the Lord Lyon verfasste das Stück The Thrie Estaitis. Großen Einfluss hatte George Buchanan als neulateinischer Dichter, dessen Schaffenshöhepunkt der Sammelband Deliciae Poetarum Scotorum von 1637 darstellte. Trotz der Ablehnung von Dichtung durch die calvinistisch beeinflusste Kirk waren in der zweiten Hälfte des 16. Jhs. die Satiriker und Dichter Richard Maitland of Lethington, John Rolland und Alexander Hume erfolgreich tätig. König James VI nahm in den 1580er und 1590er Jahren aktiv am oft durch Instrumentalmusik begleiteten literarischen Leben des Hofes teil und war Mitglied in der aus jakobitischen Hofdichtern und Musikern zusammengesetzten „Castilian Band“ (die auf die Dichter William Alexander (der z. B. die Volksstücken Monarchicke Tragedies verfasste), Alexander Craig und Robert Ayton einwirkte).

Nach der Übernahme des englischen Thrones durch James VI/I setzte ein Niedergang des kulturellen Lebens ein. Der König bevorzugte zudem zunehmend das Südenglische.

Ab dem 16. Jh.entstand die literarische Gattung der Ballade als Niederschrift von bis in das Mittelalter zurückreichenden älteren Erzählungen und wurde im 17. Jh. zur Literaturform adeliger Autoren wie Robert Sempill, Lady Elizabeth Wardlaw und Lady Grizel Baillie. Um 1603 wirkte die erste namentlich bekannte schottische Dichterin Elizabeth Melville. Ab der Mitte des 17. Jhs. gab es Versuche zur Wiederbelebung des Theaters z. B. durch William Clerkes Marciano or the Discovery.

In den Highlands entwickelten sich im 17. Jh. piping families wie die MacCrimmonds, MacArthurs, MacGregors und Mackays of Gairlock. Klassische Konzerte kamen auf und die entsprechenden Instrumente wurden nach Schottland eingeführt. Die Musik in Edinburgh prosperierte durch die Förderung durch Sir John Clerk of Penicuik und italienische Einflüsse. Thomas Erskine, Earl of Kellie, komponierte als erster Schotte eine Symphonie. 1662 publizierte John Forbes die erste gedruckte Sammlung von weltlicher Musik (Songs and Fancies: to Thre, Foure, or Five Partes, both Apt for Voices and Viols).

 

Bis in das späte 17. Jh. wurde ein größtenteils vollständiges Netz von Gemeindeschulen in den Lowlands geschaffen. In den Highlands fehlten vielerorts Bildungsmöglichkeiten. Zur besseren Verständigung verdrängte man das Gälische durch Englisch.

Viele adelige Frauen besaßen eine grundlegende Bildung. Ab dem 18. Jh. boten Dame Schools ärmeren Mädchen Unterricht in Lesen, Nähen und Kochen an.

Im 18. Jh. verfügte Schottland über fünf Universitätenals Zentren der Bildung, des gesellschaftlichen Aufstieges und der entstehenden Demokratie sowie Gemeindeschulen in den Lowlands. Juristen, Geistliche und Intellektuelle formierten eine neue Mittelklasse, die zum Träger der Aufklärung wurde: des Scottish Enlightenment (Soilleireachadh na h-Alba) als eine Zeit des Fortschrittsoptimismus im 18. Jh. Ermöglicht durch den freien Handel und ein hochentwickeltes Universitätssystem kam es zu zahlreichen intellektuellen und wissenschaftlichen Errungenschaften. Die Wichtigkeit des rationalen Denkens wurde betont und unbegründete Autorität abgelehnt. Man vertraute in die Möglichkeit der Verbesserung von Individuum, Gesellschaft und Natur durch vernunftgesteuerte Menschlichkeit und am Nützlichkeitsprinzip orientiertes Handeln. Die schottische Aufklärung mit ihrem Zentrum in Edinburgh (unter Bürgermeister George Drummond) basierte auf der genauen Lektüre neuer Bücher und Diskussionsrunden (in gesellschaftlichen Clubs) sowie einer praktischen durchdachten Anwendung des neuen Wissens. Die Disziplinen Philosophie, Ökomonie, Medizin, Maschinenbau, Architektur, Geologie, Archäologie, Jura, Landwirtschaft, Chemie und Soziologie wuchsen rasch an. Wichtige Wissenschaftler waren der Architekt Robert Adam, der Maler John Alexander, Joseph Black (der die erste chemische Formel entwickelte), Hugh Blair, der Jurist James Boswell, James Burnett Lord Monboddo (der Begründer der historischen und vergleichenden Sprachwissenschaft), der Nationaldichter Robert Burns, der Soziologe Adam Ferguson (erforschte das menschliche Verhalten in früheren Kulturen), Henry Home Lord Kames (mit seinem Standardwerk für Rhetorik und Stil), der Philosoph David Hume (Empirismus und Skeptizismus), der Moralphilosoph Francis Hutcheson, der Geologe James Hutton, der Mathematiker und Physiker Sir John Leslie, der Mathematiker Colin Maclaurin, James Macpherson (der Übersetzer der „gälischen“ Gesänge des Barden Ossian), der Maler William Mossman, der Geologe John Playfair, der Künstler Allan Ramsay, Thomas Reid (vertrat einen auf gesundem Menschenverstand beruhenden Realismus), der Literat Sir Walter Scott, der Ökonom Adam Smith (These: Land, Arbeit und Kapital als Produktionsfaktoren und Spender von Macht, natürlicher Drang des Menschen zur Selbstverbesserung) und James Watt (der die Dampfmaschine erfand bzw. verbesserte) sowie die Komponisten Thomas Erskine, James Oswald und William McGibbon. Weitreichende Wirkung entfaltete die neue Encyclopaedia Britannica.

 

Nach dem 17. Jh. entstand aus einer Sprachvereinbarung zwischen Scots und dem englischen Standard Englisch das schottische Englisch. Durch eine stärkere phonologische, grammatikalische und lexikalische Beeinflussung durch ein gälisches Substrat unterscheidet sich das Highland English leicht vom Lowland English.

Charakteristische phonologische Merkmale des schottischen Englisch sind unter anderem Rhotizität (die Aussprache von /r/) und das Phonem /x/ (vor allem „ch“ in loch) in Lehnwörtern aus dem Gälischen und Scots. Die Vokallänge wird als nicht phonemisch behandelt. Lexikalische Elemente aus Scots sind z. B. wee (“small”), bairn (“child”), bonnie (“attractive”), braw (“fine”), muckle (“big”), outwith (“outside of”), cowp (“tip”), fankle (“tankled mess”) und kirk (“church”). Daneben gibt es kulturell spezifische Elemente wie Hogmanay, caber, haggis, bothy, scone, oatcake, tablet, rone, teuchter, ned, mumpty, landward, it´s your shot oder tawse. Zum Ausdrücken von Kleinheit wird die Endung -ie (laddie, lassie) an das Nomen angehängt. Häufig ist auch eine andere Nutzung von Präpositionen (z. B. I was waiting on you. statt “waiting for you”). “Shall”, “ought”, “must” und “may” sind in der gesprochenen Sprache selten. Zum Ausdruck der Vergangenheitsform kann to be + after + Partizip verwendet werden.

Im Highland English werden z. B. die stimmlosen Verschlusslaute /p/ /t/ und /k/ mit Vorbehauchung ausgesprochen (> [hp], [ht], [hk]/[xk]). Häufige Wörter sind z. B. Aye (“yes), bodach (alter Mann), bothan (“hut”), bothy (Zuflucht in den Bergen), cailleach (alte Frau), cèilidh (Zusammenkommen), deoch-an-dorus (drink at the door”), fear an taighe (“man of the house”), glen, loch, machair, Mach à Seo! (Let´s go”), messages (“groceries”), strath, teuchter (ländlich lebende Schotten), wee mannie (old man”) oder wee wifie (old lady”).

 

Statue von Allan Ramsay, Edinburgh
Statue von Allan Ramsay, Edinburgh

Im frühen 18. Jh. wurde durch Allan Ramsay das Interesse an der älteren schottischen Literatur wiedererweckt. Er veröffentlichte The Ever Green mit Dichtung aus der Zeit der Stewarts, einer Zusammenstellung von schottischer Volksdichtung und eigenen Gedichten in der Tea-Table Miscellany. Zudem verbreitete Ramsay die pastorale Dichtung (durch die Oper The Gentle Shepard) und war Mitglied in einer Gruppe von in schottischer und englischer Sprache wirkenden Dichtern (unter anderem Tobias Smollett, der erste Romanschriftsteller Schottlands).

Mit dem Niedergang der klassischen gälischen Dichtung (die auf einer mit dem 12. Jh. verbundenen Sprache und silbischem Metrum basierte) einher ging eine neue einheimische gälische Dichtung (eine weiterentwickelte Sprache mit betontem Metrum), die z. B. durch Mary MacLeod of Harris und den königlichen Dichter Ian Lom (zweite Hälfte des 17. Jhs.) produziert wurde. Innovationen in der gälischen Dichtung gab es z. B. durch Rob Donn Mackay und Alasdair mac Mhaighstir Alasdair mit dem Gedicht Clanranald's Galleryund dem Leabhar a Theagasc Ainminnin (einem gälisches-englischen Wörterbuch). Die gälische Dichtung erlebte im 18. Jh. ein goldenes Zeitalter mit Donnchadh Bàn Mac an t-Saoir (Duncan Ban MacIntyre), der im Dienst des Duke of Argyll stand, als führendem Poeten (z. B. verfasste er das Gedicht Moladh Beinn Dòbhrain über Beinn Dorain).

Vor dem Hintergrund der die Restauration der katholischen Stuart-Monarchie unterstützenden Aufstände von 1715 und 1745 entstand jakobitische Dichtung. Nach der Niederschlagung der Aufstände durch die britische Regierung und der Maßnahmen zum Verbot der gälischen Kultur der Highlands verfassten gälische Dichter Klagen über die jakobitische Niederlage. 1567 wurde das Book of Common Order durch John Carswell ins Gälische übersetzt und 1767 veröffentlichten Dr James Staurt of Killin und Dugald Buchanan of Rannoch das Neue Testament der Bibel in Gälisch.

In der zweiten Hälfte des 18. Jhs. begann angeregt durch James Macpherson und seine Gesänge des Barden Ossian, die er als Werk eines gälischen Barden aus dem 3. Jh. darstellte, die Aufzeichnung mündlich tradierter heroischer Dichtung (z. B. des in viele europäische Sprachen übersetzten Epos Fingal).

Der Komponist James Oswald vereinigte in der Curious Collection of Scottish Songs (1740) gälische und Lowland Melodien und leistet damit einen  Beitrag zur Schaffung einer gemeinsamen musikalischen Identität in Schottland. Das Interesse an folk songs wuchs an und beliebte Balladen wurden veröffentlicht. Zwischen 1787 und 1803 gaben James Johnson und Robert Burns The Scots Musical Museum heraus.

Der Nationaldichter Robert Burns wurde stark durch den Ossian-Zirkel beeinflusst. Er gilt als Wegbereiter der Romantik, sammelte und adaptierte Volkslieder aus ganz Schottland („Auld Lang Syne“, „Scots Wha Hae“) und verfasste Werke in Scots. Burns´ Themenspektrum reichte von Republikanismus, Antiklerikalismus und Gesellschaftskritik bis hin zur schottischen kulturellen Identität, Armut und Sexualität. Häufig nutzte er die sechszeilige Habbie Strophe (Reimschema aaabab). Weitere bedeutende Dichter und Romanciers der Romantik waren James Hogg, Allan Cunningham und John Galt sowie Lord Byron.

Durch das Wirken von schottischen Dramatikern wie Catherine Trotter und David Crawford entwickelte sich ein Bühnen-Scots. Die Versuche von Schauspielgruppen, Theater zu gründeten, scheiterten im 18. Jh. jedoch am Widerstand der Kirk.